Literatur

Auf die "to-do-Liste": Der richtige Mann

"Was wäre, wenn man einfach zurück in die Vergangenheit reisen könnte?", fragt sich Kerstin Gier. Sie ist mit ihren Unterhaltungsbüchern Bestsellerautorin geworden und sitzt nun auf der Bühne im "Kulturkaufhaus Dussmann".

Ihr neues Buch heißt "Auf der anderen Seite ist das Gras viel grüner" und nimmt sich einen Klassiker der Philosophie, der Religionen wie auch der modernen Selbsthilfeliteratur vor: Ist unser Leben vorbestimmt (alles ist Schicksal) oder sind wir in der Lage uns zu ändern (es lebe der freie Wille)?

Giers Gedankenspiel ist nun wie folgt: "Meine Heldin Kati reist fünf Jahre zurück und entscheidet sich dann, von Anfang an den anderen Mann zu nehmen." Im Publikum sitzen fast nur Frauen und denen erklärt sie, dass "wir" (wir Frauen also) "es so richtig, richtig machen" wollen und blickt ironisch-verschwörerisch in die Runde.

Ihre Heldin Kati schreibt in diesem Sinne dann auch gleich einen neuen Lebensplan mit neuem Mann in einer großangelegten Liste auf. Die Autorin klappt ihren sehr pinken Roman auf und liest, wie die Heldin erst einmal pragmatisch beschließt, ihr Geld mit Sportwetten zu verdienen, weil sie ja schon alles weiß.

Dann springt sie weit im Text zurück, um erst einmal beide Männer, die ihre Heldin so verwirren, vorzustellen. So liest sie mit gedrückter Stimme aus der Perspektive des liebenswerten Ehemanns und Oberarztes Felix, dann schlüpft sie in die Rolle des Konkurrenten Mathias, der Kati "mittelhübsch, mittelgroß, mittelblond" und erst mal nicht viel mehr findet.

"Doch dann beschützt er sie auf einer Party vor ihrem anzüglichen Ex-Gynäkologen und da waren sie hin und weg voneinander", erzählt Gier. "Er ist neu und aufregender für sie als der Ehemann, der manchmal vergisst, sich die eine Hälfte des Gesichts zu rasieren." Es ist anfangs auch alles viel interessanter für die Heldin mit dem neuen Mann im perfekt recycelten Leben. "Doch das Schicksal schlägt zurück", sagt Autorin Gier weise und lächelt wissend. Sie mag vor allem keine "To-Do-Listen-Schreiberinnen", die immer alles perfekt machen wollen.

Kerstin Gier sagt, jetzt komme ihre "Lieblingsstelle": "Meine Kati kauft da so ein im Supermarkt, nanana", erzählt sie locker und beginnt zu lesen: "Rumms! Wie aufs Stichwort war ich mit einem Einkaufswagen zusammengestoßen." "Felix!", entdeckt da die tragische Kati, mit wem sie kollidiert ist. Gier schlägt die Augen nieder und meint, wieder in ihrer Rolle als Autorin: "So einfach habe ich sie also doch nicht davon kommen lassen." Kati ist für Felix bestimmt und Felix für Kati. Ja, Wahnsinn, denkt man sich beim Rausgehen, wie man mit den Schablonen des Mittelalters noch so einen Erfolg haben kann.