Mauer-Sonderschau

Lebendig, sinnlich, ohne pädagogischen Zeigefinger

Arkadisch und lebendig ist es hier an diesem deutsch-deutschen Feiertag, das war einmal anders. Die Villa Schöningen in Potsdam befindet sich direkt an der Schnittstelle zwischen Ost und West. Hier an der Glienicker Brücke fand zu Zeiten des Kalten Krieges der Austausch von Agenten statt.

Ein geschichtsträchtiger Ort, ideal, um hier am Tag der Deutschen Einheit mit einer Ausstellung genau an jenes Betonmonstrum zu erinnern, das Deutschland für 28 Jahre in zwei Staaten geteilt hat.

"Mauerperspektiven" heißt die vielfältige Sonderschau, die das Thema "lebendig, sinnlich und menschlich präsentiert - ohne drohenden Zeigefinger", sagt Mathias Döpfner, Axel-Springer-Vorstandsvorsitzender und Hausherr des privaten Geschichtsmuseums. Sechs Räume illustrieren Aspekte der Mauer, von den Phasen des Baus bis hin zu ihrem Ende. Und Berlins bekanntester Mauer-Maler Thierry Noir hat ein neues Mauerbild kreiert.

Finanziell unterstützt wurde das Projekt durch die Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und die Stadt Potsdam. Eine riesige Legende zeigt topografisch exakt, wo und wann zwischen 1961 und 1989 Flüchtlinge ums Leben kamen, 136 sind dort verzeichnet.

Was die Mauer vor der eigenen Haustür bedeutet, das dokumentierte der DDR-Spielfilmregisseur Lothar Warnecke mit seinen privaten Filmaufnahmen, obgleich die natürlich strengstens verboten waren. Spielende Kinder im Garten, Sommer, Herbst, Sturm, Geisterstunde mit Kostüm - all diese Bilder zeigen, dass es durchaus ein normales Leben an der Grenze gab. 1967 war die Familie in das Brückenwärterhaus an der Glienicker Brücke gezogen, elf Jahre später wurde das Gebäude abgerissen - zum Ausbau des "freien Sicht- und Schießfeldes". Herausragend ist die Installation mit Touchscreen, die die einzige heute noch vollständig erhaltene Gesamttopografie des Todesstreifens zeigt. Sie basiert auf 1084 Fotos, die ein Grenzkommando im Jahr 1988/89 von der Berliner Grenzanlage machte. Reine Routine, um die Beschaffenheit der "Sperrelemente" zu analysieren. Gerettet hat das die untergehende DDR nicht mehr.

Villa Schöningen , Berliner Str. 86, Potsdam. Bis 8. Januar. Di.-Fr. 11-18 Uhr, Sa./So. 10-18 Uhr.