Gesamtwerk

Georg Baselitz zeigt erstmals seine Skulpturen in Paris

Wenn schon Georg Baselitz seine eigenen Holzskulpturen voll ursprünglicher Wildheit merkwürdig findet, was sollen erst die Franzosen sagen, die die zerlegten und deformierten Formen des deutschen Expressionismus lange als barbarisch betrachteten?

Baselitz Holzfiguren sind Relikte aus einer anderen Zeit: Wie Totempfähle strecken sie ihre Arme aus und reißen Augen und Mund weit auf. Sie wirken massiv, imposant, grotesk. In geballter Form wie sie derzeit das Pariser Musée d'art moderne de la ville de Paris (MAM) zeigt, sind sie von ungestümer Ursprünglichkeit und urwüchsiger Gewalt.

Unter dem Titel "Baselitz, der Bildhauer" zeigt das Museum gegenüber des Eiffelturms erstmals das bildhauerische Gesamtwerk des Künstlers, das im Vergleich zu seiner Malerei klein geblieben ist. Mit rund 40 Skulpturen in mehr als 30 Jahren ist sein plastisches Werk fast vollständig ausgestellt. Ergänzend kommen 70 Zeichnungen und Gemälde hinzu, die sich auf seine Skulpturen beziehen, die ihre Ursprünge in der afrikanischen und ozeanischen Formensprache suchen.

Menschliche Figuren, Torsi und abgeschlagene Köpfe: Traurige Helden nach einer Schlacht, könnte der Titel der Ausstellung auch heißen. "Beim Blick auf die Skulpturen muss ich zittern. Sie wirken vor dem heutigen Kontext ungewöhnlich. Ich hätte noch zwei oder drei hinzufügen können. Aber das hätte auch nichts geändert", erklärte der 73-jährige Künstler. Baselitz schwamm schon immer gegen den Strom des Zeitgeschmacks.