Berliner Kabarettisten empfehlen

Ich lese gerade ... Wilhelm Genazino: Wenn wir Tiere wären

Dieter Nuhr (51), Kabarettist: Wilhelm Genazino schreibt immer Bücher über mittelalte Männer, die am Leben verzweifeln, wie auch in seinem aktuellen Roman "Wenn wir Tiere wären". Der Icherzähler ist ein gelangweilter Burn-Out-Kandidat, ein Architekt, dem es nicht schlecht geht, der aber alles um sich herum emotionslos zur Kenntnis nimmt. Seine Frau ist ihm weggelaufen, die Geliebte Alkoholikerin. Eigentlich ein schlimmer Typ, nicht nett, nicht sympathisch und hoffnungslos neben der Spur. Auf seinen Spaziergängen kommt er immer wieder an wilden Tieren vorbei und fände es toll, wie eine Ente die ganze Zeit auf einem Fuß zu stehen. Ansonsten ekelt er sich vor der Welt und sieht die abgrundtiefe Blödheit darin, das Armselige des Lebens. Wäre das Buch nicht so lustig formuliert, wäre es total depressiv. Es ist eine Frage des Serotonins, ob man das mit Humor nimmt oder nicht. Ich habe das große Glück, darüber lachen zu können. Für mich eines der komischsten Bücher, die ich je gelesen habe.

Wilhelm Genazino: Wenn wir Tiere wären, Carl Hanser Verlag, 160 Seiten, 17,90 Euro.