Konzert

Zu alt für das Mädchen, das man in ihr sieht

| Lesedauer: 2 Minuten

Es soll schon vorgekommen sein, dass Laura Marling an der Tür zu ihrem eigenen Auftritt abgewiesen wurde. Das Konzert fand dann im Freien statt. Sie packte die Gitarre aus und sang, die Gäste strömten zu ihr auf die Straße. In den Postbahnhof haben die Türsteher sie eingelassen.

Laura Marling tritt ans Mikrofon, ein Elfenwesen mit strohblondem Haar, einem Fledermauspulli, einer Gitarre, die an ihr so riesig aussieht wie ein Kontrabass, und einer glockenhellen Stimme. 21 Jahre ist die Britin alt, sie wirkt entschieden jünger. Schüchtern schaut sie in den überfüllten Saal. Die Leute rasen und die kleine Halle bebt, als sei eine Legende wiederauferstanden, und das trifft auf Laura Marling sogar zu, wenn man so will.

Sie bringt den Folk zurück. Nicht als Behauptung und mit Vorsilben wie Anti-, Freak- und Nu-Folk. Sie singt "I Was Just A Card", und darin geht es um die Liebe und den Morgenhimmel, um die Trennung und die Dämmerung. So schlicht und schön. Die fünfköpfige Band spielt Mandoline, Banjo, Cello und Klavier, ein kleines Schlagzeug, Flügelhorn und Standbass. Keine allzu abseitigen Instrumente wie die herkömmlichen Hipsterbands mit ihren Tröten und Computerspielkonsolen auf der Bühne. Laura Marling schart zurückhaltende Musiker um sich und keine filzbärtigen Käuze mit Ebay-Gitarren und grotesken Hüten. Sie singt einfach ihre Lieder mit geschlossenen Augen und hat nichts dagegen, wenn sie klingt wie Joni Mitchell oder Sandy Denny auf den Platten aus den späten Sechzigern und frühen Siebzigern.

Sie selbst kam 1990 auf die Welt, in Eversley, einem Dorf zwischen London und Bristol. Laura Marlings Vater unterhielt ein Landstudio für Musiker, die sich nach Abgeschiedenheit und Ruhe sehnten. Mit 18 setzte sie sich von der Szene ab, vertonte die Beziehungen zu Sängern der Boheme, und nahm ihr erstes Album auf. Sie singt daraus "My Manic & I", es geht um überspannte junge Männer in der Großstadt und um Lauras Flucht davor.

Das ist die Kunst bei Laura Marling: Sie singt Lieder, die wie Kunstgewerbe wirken könnten, wie gesungene Antiquitäten für den zivilisationsmüden Zeitgeist. Dass die Lieder mehr sind, liegt an ihnen selbst und daran, wie sie Laura Marling vorträgt, als Persönlichkeit. Sie kann über sich lachen, wenn sie sich zu schnell begleitet und verhaspelt. Sie stimmt umständlich ihre Gitarre. Und dann singt sie so ein analoges Lied, als wüsste sie etwas, dass sie auf keinen Fall verraten dürfe. Eine Frau, die sich zu alt fühlt für das Mädchen, dass man in ihr sieht.