Bigband

Ein Konzert mit Pfiff, nur das Publikum schnippt nicht mit

Abwechslung tut immer gut. Die klassische Herkömmlichkeit kann ruhig dann und wann aufgebrochen werden. Nur ist das nicht ganz einfach.

Sehr schnell stellt sich der gute, alte musikalische Appetit wieder ein, der unersättlich nach der Herzensheiterkeit einer Rossini-Ouvertüre verlangt und vor dem ranschmeißerischen Klamauk der "Römischen Feste" eines Respighi eher Reißaus nimmt. Dennoch predigte ihn Donald Runnicles von seiner Dirigierkanzel herab dem Orchester der Deutschen Oper und seinen Zuhörern mit höchstem Temperament.

Die große Überraschung des Abends aber lieferte die Bigband, die sich aus Mitgliedern des Orchesters formiert hat. Sie hat außerdem in Manfred Honetschläger, dem Bass-Posaunisten des Hessischen Rundfunks, einen vitalen Anreger gefunden. Das hochkarätige Ensemble bläst, zupft, trompetet, trommelt und jubiliert sich die Seele aus dem musikalisch hochgeschwängerten Leib. Immer wieder unterbrach Beifall für die Solisten den Vortrag. Die Bigband sorgte für die unterhaltsamsten Höhepunkte des Abends.

Die hatte man sich indes eher von Deborah J. Carter, der Gesangssolistin des Abends, erhofft. Miss Carter war tatsächlich reizend und sang tadellos, wenn auch nicht gerade wie ein Star, eher wie eine liebenswürdige Aufsteigerin in den frühen Ruhm. Die sechs Broadway-Songs, die sie vortrug, im teils kessen, teils sentimentalen Arrangement von Honetschläger, kamen mit Pfiff über die Rampe. Nur das von Runnicles zur Aufpolsterung des Spaßes wiederholt angeforderte rhythmische Fingergeschnipp des Publikums ließ zu wünschen übrig. Aber es war ja schließlich auch das erste Konzert dieser Art, das übrigens nur das Parkett zu füllen verstanden hatte. Beide Ränge blieben geschlossen. Das Opernpublikum ist halt konservativ. Aber anspruchsvoll ist es eben auch.