Interview mit Aura Dione

"Ja, ich bin eure Verführerin"

Und wieder hat sie es bis auf den Gipfel der deutschen Singlecharts geschafft. Die gebürtige Bornholmerin Aura Dione stürmt mit ihrer Single "Geronimo" den ersten Platz. Was auffällt: Das zweite Album der 26-jährigen Hippietochter, "Before the Dinosaurs" wirkt nicht mehr so verspielt. Und "Geronimo" selbst wirkt sogar ein wenig abgekupfert bei Lady Gagas Hit "Bad Romance".

Steffen Rüth sprach mit der in Kopenhagen lebenden Sängerin über den Erfolgsdruck, über erotische Vermarktung von Musik und die Liebe.

Berliner Morgenpost: Was soll uns der Albumtitel "Before the Dinosaurs" sagen?

Aura Dione: Nach all dem Trubel um mein letztes Album wollte ich so ein bisschen zu mir selbst zurückfinden. Ständig wurde ich gefragt, wo denn meine Ideen herkämen. Und ich antworte meistens, die Kreativität war schon vor den Dinosauriern auf der Welt, sie lebt in den Bergen und spielt dort Gitarre. Ich mochte dann den Titel für mein Album.

Berliner Morgenpost: Und warum sind Sie auf dem Cover fast nackt, nur mit einer dicken Halskette und einem Apfel bedeckt?

Aura Dione: Ich wollte ein Bild, das rein und unschuldig wirkt. Ich habe immer viel und gern mit Mode gespielt, jetzt wollte ich zurück zum Ursprung, zur Nacktheit. Es soll kein billiger Effekt sein, sondern es soll meine Freiheit unterstreichen. Ich finde es traurig, dass so viele Künstlerinnen sich sexuell selbst ausbeuten. Manchen scheint nichts heilig zu sein, und ich will dagegen rebellieren - auf augenzwinkernde Weise. Eine weitere Bedeutung ist die, dass ich mich nie so nackt fühle wie in dem Moment, wenn ich auf die Bühne komme.

Berliner Morgenpost: Ihre Eltern waren Hippies, die ersten sieben Jahre Ihres Lebens sind Sie auf einem Boot über die Weltmeere geschippert. Ich nehme an, Nacktheit ist für Sie nichts Ungewöhnliches?

Aura Dione: Wohl wahr. Ich habe kein großartig ausgeprägtes Schamgefühl, wenn es darum geht, mich auszuziehen. Nacktsein ist ja relativ. Ich habe kein Problem, mich vor meinen Freunden im Schwimmbad auszuziehen, doch sehr viel nackter als am See habe ich mich manchmal in der Schule gefühlt, wenn ich drangenommen wurde und die Antwort nicht wusste. Nacktheit ist zudem eine Metapher für Verletzlichkeit. Ich bin beides: sehr verletzlich und sehr stark.

Berliner Morgenpost: Und der Apfel spielt auf Eva an?

Aura Dione: Ein wenig, ja. Es geht ja bei Eva darum, dass die Frauen an allem Schuld haben, speziell für alle Lust die Verantwortung tragen. Ich sage mit dem Apfel: Ja. Ich bin eure Verführerin.

Berliner Morgenpost: War es für Sie nach dem Erfolg ihres Debüts "Columbine" einfach, mit dem nächsten Album weiterzumachen?

Aura Dione: Natürlich nicht. Ich musste gründlich in mich gehen, sehr lange über den nächsten Schritt nachdenken. Hinter meiner Musik stecken ja immer viele Überlegungen. Ich wusste auch, dass ich etwas Neues bieten musste nach dem Erfolg. Und dieses Neue war der Schritt zurück zu meinem Kern.

Berliner Morgenpost: Ihre Mutter hat färöisch-französische Wurzeln, der Vater ist halb Spanier, halb Däne. Wie dänisch fühlen Sie sich überhaupt?

Aura Dione: Das ist schwierig. Denn ich bin ja immer ich. Ich bin in Dänemark aufgewachsen, aber ich habe durch meine Eltern und jetzt durch meine Musik so viele Länder und Kulturen gesehen, dass ich mich manchmal wie ein kleines Piratenmädchen fühle. Ich liebe die Welt, ich bekomme schnell Fernweh.

Berliner Morgenpost: Im Song "What it's like" singen Sie über "sechs unmögliche Dinge", die wir vor dem Frühstück machen sollten". Welche sind das?

Aura Dione: Das möchte ich jedem einzelnen Hörer überlassen. Was für mich vor dem Frühstück unmöglich ist, mag für dich völlig normal sein, und umgekehrt. Etwa der Traum, von seiner Musik leben zu können, ist für die meisten Menschen unerreichbar. Und für mich wäre es undenkbar, jeden Morgen aufzustehen und als Mathematikerin zu arbeiten.

Berliner Morgenpost: Bitte wenigstens eine Sache?

Aura Dione: Na gut. Ich habe im Sommer einmal nach dem Aufstehen eine Ziege bei meinem Freund aufs Dach gesetzt. Er wohnt in einem Haus mit Flachdach, das ging ganz leicht, und er war, nun ja, erstaunt.

Berliner Morgenpost: Der neue Singlehit "Geronimo" hört sich irgendwie sehr vertraut an.

Aura Dione: Die Nummer behandelt die Frage, wie schwierig ist es ist, du selbst zu bleiben, wenn du plötzlich populär bist. Auf einmal wollen alle etwas von dir und meinen, sie müssten die Tipps geben. Die Nummer schrieb sich fast von alleine.

Berliner Morgenpost: Etwa, nachdem Sie die größten Hits von der amerikanischen Popdiva Lady Gaga gehört haben?

Aura Dione: Hey, das ist gemein. Klar finde ich super, was Gaga macht. Und auch das, was andere Mädels so treiben. Wir Frauen dominieren die Popmusik ja in den letzten Jahren in ganz bemerkenswertem Maße. Aber ich klaue nicht. "Geronimo" ist meine Idee, mein Song.