Konzert

Mahler Chamber Orchestra kehrt nach Berlin zurück

Bis in die Puppen Musik machen, tanzen, feiern. Heute findet die erste "Radiale Nacht mit dem MCO", sprich dem Mahler Chamber Orchestra, statt. Sasha Waltz & Guest tanzen und DJ Konkubina legt auf. Im Radialsystem haben wieder einmal die Richtigen zusammengefunden.

Gern möchte man von der neuen Berliner Boheme sprechen, aber dafür steckt zu viel künstlerische Selbstausbeutung und zugleich internationaler Erfolg in der Künstlerliste. Jochen Sandig, das strategische Hirn des Radialsystems, liebäugelt seit geraumer Zeit mit einem Hausorchester, um die Künste noch intensiver zusammen führen zu können. "Aber so weit sind wir noch lange nicht", sagt MCO-Intendant Andreas Richter, obwohl er zugibt, dass der Ort sehr attraktiv wäre. "Noch ist es ein Pilotprojekt", sagt er, auch mit Blick auf den nötigen Sponsor.

Eigentlich war das Mahler Chamber Orchestra mal als Überflieger gestartet. Es ist Ende der Neunzigerjahre, von Stardirigent Claudio Abbado begründet und behütet, aus dem Gustav Mahler Jugendorchester hervorgegangen. Es war die Zeit, in der junge Musiker nach neuen Lebensmodellen jenseits der etablierten Orchester suchten und alle von Projekten und Selbstbestimmtheit sprachen. Allein in dieser Saison geben die gut 40 Mitglieder aus zwanzig Ländern 62 Konzerte in 41 Städten. Aber auch junge Musiker werden älter, gründen Familien und suchen nach Verbindlichkeiten. Das MCO ist mittlerweile in drei so genannten Residenzen gelandet: als Festivalorchester beim Lucerne Festival, als künstlerisch-pädagogischer Ideengeber in Nordrhein-Westfalen und bei Abbado in Ferrara.

In Berlin, wo das noble Kammerorchester an der Hasenheide seinen festen Firmensitz hat, ist es dagegen selten zu erleben, zuletzt vor fünf Jahren im Konzerthaus. Heute ab 19.30 Uhr wird es in experimentierlustigen Besetzungen das ganze Radialsystem bespielen.

Radialsystem V , Holzmarktstr. 33. Tel. 288 788 588