Erinnerungen

Schonungslose Aufarbeitung der eigenen Drogensucht

In "Porträt eines Süchtigen als junger Mann" beschreibt der Amerikaner Bill Clegg, wie er wegen seiner Cracksucht beinahe das ganze beneidenswerte New Yorker Leben verliert, das er sich aufgebaut hat.

Gerade mal 30 Jahre alt, hat er eine florierende Literaturagentur gegründet und lebt mit einem Lebenspartner zusammen, der in der Filmszene so hip ist wie Clegg in jener der Literatur. Beim Blick in den Terminkalender wundert Clegg sich manchmal selbst, wen er alles kennt. Vollkommen egal sind ihm Glück und sozialer Status allerdings, sobald er auch nur an Crack denkt.

Dass Clegg schreiben kann, merkt man von den ersten, mitreißenden Seiten an, in diesem klug konstruierten Buch, das durch seine Dezenz ebenso beeindruckt wie durch freimütige Bekenntnisse sexueller Eskapaden. Die traurigen, immergleichen Versatzstücke des Suchtlebens: die Scham, wenn er immer wieder 200 Dollar abhebt, weil der Geldautomat nicht mehr Bargeld auf einmal herausrückt; der Betrug an seinem Partner; das ganze triste Leben eines Süchtigen, wie man es eigentlich nicht wirklich erzählt bekommen möchte, spielen sich vor dem Auge des zunehmend faszinierten Lesers ab. Alles ist dramaturgisch geschickt gebaut und liest sich wie ein Roman.

Die Schriftstellerin A.S. Byatt hat beim Berliner Literaturfestival die Tendenz der zeitgenössischen Literatur, Biografie und Fiktion zu vermischen, kritisiert. Dabei meinte sie das freimütige Sich-Hineinversetzen in historische Persönlichkeiten als auch das Ausbeuten von Schicksalen nahe stehender Menschen. Auch wenn man ihr angesichts der meisten so entstandenen Produkte in jüngster Zeit unbedingt zustimmen möchte, so scheint Cleggs Buch dadurch legitimiert, dass er - fast - ausschließlich sich selbst literarisch ausbeutet.

Bill Clegg : Porträt eines Süchtigen als junger Mann. S. Fischer, 171 Seiten, 19,95 Euro.