Porträt

Thomas Manns Sekretär plaudert aus dem Nähkästchen

Thomas Mann hatte seine Grillen. So konnte er beispielsweise kein Auto fahren, was in Los Angeles ein echtes Problem war.

Er war auch sonst in alltäglichen Dingen zuweilen etwas hilflos. Aber was seine Arbeit anging, war er unbeirrbar und diszipliniert, was das Schicksal deutscher Emigranten in Amerika anging, sehr engagiert. Und er hatte einen unglaublichen Humor. Und das, meint sein Sekretär, sei ein elementarer Wesenszug gewesen, der bislang völlig verkannt und übersehen wurde.

Konrad Katzenellenbogen, der sich in den USA in Kellen umbenannte, war nur zwei Jahre Sekretär von Thomas Mann. Und da waren ja noch die Gattin Katia und die Tochter Erika, die am Oeuvre des Dichters mitgewirkt haben. Die intimsten Einblicke blieben Kellen daher versagt. Aber seinen Chef hat er schon beobachten können. Und als Jude früh in die Emigration gezwungen, begleitete "Conny" Kellen mit großer Aufmerksamkeit Manns Reden und Auftritte gegen Hitler-Deutschland, bis er selber als GI in den Krieg gegen seine Heimat zog.

Der Titel ist ein wenig irreführend, das Buch bietet viel mehr. Zum einen werden hier die Memoiren des 2003 verstorbenen Kellen vorgelegt, die sich nicht auf die zwei Jahre bei dem berühmten Boss beschränken, auch wenn das naturgemäß einen Schwerpunkt darstellt. Zum anderen wird in der zweiten Hälfte das Verhältnis des Sekretärs zu seinem Chef auch neutral-akademisch analysiert und verglichen mit Manns Äußerungen über Kellen, etwa in Briefen und Tagebüchern, die nicht immer schmeichelhaft ausfielen. Den größten Nutzen zieht man erst aus dieser Doppellektüre.

Konrad Kellen: Mein Boss, der Zauberer. Thomas Manns Sekretär erzählt. Rowohlt, 256 Seiten, 19,95 Euro. Konrad Kellen: Mein Boss, der Zauberer. Thomas Manns Sekretär erzählt. Rowohlt, 256 S., 19,95 Euro.

Meistgelesene