Frank Peter Zimmermann

Der Geiger vom anderen Stern

Ein Gespenst geht um in der Klassik-Welt: das Gute-Laune-Gespenst. Seit Jahren gaukelt es dem Publikum vor, dass kaum ein Unterschied besteht zwischen klassischer Musik und André Rieu. Zum Glück gibt es Liebhaber der klassischen Musik, die das anders sehen.

Frank Peter Zimmermann etwa, einer der wirklich herausragenden, begnadeten Geiger unserer Zeit, kündigte schon vor Jahren seinen Vertrag mit der EMI, weil ihn das Label immer mehr zum Populären drängte. "Crossover und all diesen Mist brauche ich nicht", sagt Zimmermann. "Man muss Klassik nicht für die große Masse breittreten. Dafür war sie nie gedacht."

Was ist das? Provokation? Elitedenken? Keineswegs. Zimmermann weist lediglich darauf hin, dass Klassik kein Kinderspiel ist. Er beschwört große Namen, wenn es um den wahren Geist der Klassik geht. Oistrach, Kogan und Grumiaux sind die drei legendären Violinisten, in deren Tradition er sich sieht. Mit ihren Schallplatten wuchs er auf. Vater und Mutter spielten im Orchester, der Sohn ging noch nicht zur Schule, da wusste er schon, was er werden wollte: Geiger. Und auch, was für ein Geiger: einer, der es ernst meint, der in die Tiefe dringt wie seine drei Vorbilder. Dieses Selbstverständnis, gibt er zu, mag im heutigen Klassikbetrieb irgendwie an Dinosaurier erinnern - "aber etwas anderes hat mich nie interessiert."

Kompromisse ist Zimmermann noch nie eingegangen. Er war 17, als Sergiu Celibidache mit ihm 1982 Brahms' Violinkonzert probte - die Chance für eine Blitzkarriere. Aber Zimmermann hätte seine Persönlichkeit ändern müssen, um so zu spielen, wie es Celibidache wollte. Er gab dem Maestro einen Korb. Wenig später gelang ihm dank Lorin Maazel doch der große Sprung. Seitdem ist er regelmäßig zu hören als Konzertvirtuose und Kammermusiker. Sein Name füllt die Säle, dazu trägt auch sein Ruf als Anti-Star bei.

Bach, Beethoven und Brahms, Schubert und Schumann, dazu vereinzelte Werke von Sibelius, Berg und Bartók, damit ist sein Repertoire eigentlich umrissen. Er arbeitet sich immer wieder an den gleichen Stücken ab, entdeckt ständig Neues. 75 Prozent seiner Auftritte finden mit Orchestern statt, zweimal im Jahr gibt es Tourneen mit seinem Streichtrio, wo ihn Antoine Tamestit auf der Bratsche und Christian Poltéra auf dem Cello begleiten. Mit ihnen die Trios von Beethoven zu spielen, sei eine Offenbarung, verrät Zimmermann. Mit ihnen gastiert er heute in Berlin.

Konzert Trio Zimmermann, Heute, 20 Uhr, Kammermusiksaal der Philharmonie. Tel. 826 47 27.