Museen

Schön haptisch, aber leider Thema verfehlt

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Peter Zander

Da wird so manchem das Herz aufgehen, wenn er den originalen Zauberstab aus "Der kleine Muck" sieht oder die Friedenspfeife aus Gojko Mitics Indianerfilmen. Alfred Hitchcock kann man in einer Fernsehrunde deutsch sprechen hören und die berühmte Berliner Straße vergleichen, wie sie jeweils für Filme wie "Sonnenallee", "Der Pianist" und "Inglourious Basterds" umgebaut wurde.

Und das Bett, in dem Paul und Paula ihre Legende strickten, das hat man auch noch mal aufgeschlagen, mit den Laken und Blumen von einst, so dass man sich am liebsten reinlegen möchte.

Irgendwann dieser Tage wird das Filmstudio Babelsberg 100. Eingeweiht wurde es nie, es gibt also kein verlässliches Geburtsdatum. Zwei Termine immerhin sind überliefert. Am 12. Februar 1912 fiel dort die erste Klappe, für den Stummfilm "Totentanz". Am 12. Februar 2012 wird deshalb das Studio sein Jubiläum feiern und dafür mit der Berlinale kooperieren. Am 3. November 1911 aber, auch das ist verbürgt, wurde die Baugenehmigung für das Areal erteilt. Weshalb das Filmmuseum Potsdam schon heute seine Ausstellung "Traumfabrik. 100 Jahre Film in Babelsberg" mit einem Festakt eröffnet und ab morgen fürs Publikum zugänglich macht.

Es wäre schwer genug, die bewegende, vielfach gebrochene Geschichte der ältesten Ateliers der Filmgeschichte auf 460 Quadratmeter zu bannen. Museumsdirektorin Bärbel Dahlichow gibt denn auch zu, dass man bei der Auswahl, über die man drei Jahre gebrütet habe, "ganz, ganz stark sein musste". Die Kuratoren gingen dabei aber noch einen anderen Weg, in dem sie die Entwicklungsstufen, die ein Film vom ersten Drehbuchentwurf bis zum Premierenabend so macht, in sieben exemplarischen Räumen veranschaulichen. Gleich zu Beginn kann man in einer Art Karaoke-Kammer ein eigenes Casting-Vorsprechen absolvieren, später an einem Schneidetisch selber einen Film "schneiden". Das ist leicht verständlich. Film zum Anfassen, ein Spaß für die ganze Familie. Und doch ist das eine Ausstellung, wie man sie schon vor 16 Jahren zum Hundertjährigen des Kinos selbst hätte installieren können. Filme, die in Babelsberg gedreht wurden, dienen hier lediglich als Fallbeispiele.

Über die politische Vereinnahmung unter den Nazis und den DDR-Bürokraten findet man in dieser Schau dagegen fast gar nichts. Die alte Ufa-Zeit wird mit Perücken von Hans Albers und Brieftaschen von Jenny Jugo abgehakt. So kann man politisch heikle Zeiten natürlich auch abdecken. Babelsberg bleibt hier stets die Traumfabrik, auch wenn sie manchmal eher einer Albtraumfabrik glich, in der man stramm nach Parteilinie produzieren musste. Eine kritisch-historische Bestandsaufnahme? Fehlanzeige. Das ist zwar alles schön haptisch, aber Thema verfehlt. Bis zum zweiten Gedenkdatum wird da hoffentlich an anderer Stelle noch mehr zu erwarten sein.

Filmmuseum Potsdam , Breite Str. 1a. Di-So 10-18 Uhr. Tel. 0331-271 81 12