Kunst

Bewaffnet nach London

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Gabriela Walde

Sicherheitsstufe 1: Kunsttransporte in Millionenhöhe gleichen einem Krimi. Außer einigen wenigen Eingeweihten weiß niemand wirklich, wann und wie der Transfer verläuft. In diese Kategorie gehört auch die auf 200 Millionen Euro geschätzte kecke "Dame mit Hermelin", ein Meisterwerk Leonardo da Vincis.

Das umschwärmte Highlight der Ausstellung "Gesichter der Renaissance" im Bode-Museum wurde gestern Vormittag nach London ausgeflogen. Mit allem Drum und Dran: Bewaffneter Begleitschutz eskortierte das Bild und seinen extra verpackten wertvollen Rahmen im riesigen Truck zur eigens gecharterten Maschine Richtung Königreich.

Ein Bild für die Kunstgötter: Zwei Restauratoren und nur zwei Klimakisten in einem ansonsten leeren Flugzeug. Derlei Modalitäten wurden im Vorfeld der Ausstellung per Vertrag mit den polnischen Leihgebern festgelegt. Morgens gegen sieben Uhr hatten die Restauratoren begonnen, die Leihgabe aus der Vitrine zu entfernen, um ein Protokoll in Anwesenheit mit den polnischen Leihgebern aufzunehmen. "Sicherheitstechnisch wird da festgestellt, dass keine nennenswerte Änderungen am Gemälde vorliegen", so Kurator Stefan Weppelmann. Hier geht es schließlich um viel Geld. Generell ist so ein Transport heikel. Die Vibration der Leinwand setzt dem Gemälde zu, wobei die Belastung bei Start und Landung des Flugzeugs am größten ist. Die Bilder reisen in sogenannten Klimakisten, die von außen wie eine normale Kiste aussehen, innen jedoch mit Dämmmaterial ausgekleidet sind. Es geht darum, die Schwankungen von Temperatur und Luftfeuchtigkeit so gering wie möglich zu halten.

Drei Monate wird die schöne Lady mit dem Pelztierchen in London zu sehen sein, dort ist sie ein zentrales Werk der großen Leonardo-Schau "Painter at the Court of Milan". Wie auch in Berlin ziert sie an der Themse das Plakat.

In Berlin bleibt ihr Platz frei. Ursprünglich war geplant, Gerhard Richters "Porträt Lis Kertelge" an dieser Stelle zu zeigen. Doch dann, so heißt es, entschied man sich aus kuratorischen Gründen anders. Vielleicht, weil man dann doch Skrupel hatte, ein Renaissance-Werk neben ein Werk des 20. Jahrhunderts zu hängen? Oder Meister Richter selbst gefiel diese Liaison nicht? Unglücklich darüber muss man nun nicht sein: Richter feiert Anfang Februar seinen 80. Geburtstag und wird in der Neuen Nationalgalerie ab 12. Februar gebührend gefeiert werden.

Im Bodemuseum gibt es jetzt einen Alltag ohne Dame. Mit Dame strömten die letzten Tage rund 4000 Besucher pro Tag in Haus auf der Insel. Ach ja, auch der schöne Katalog ist ein Renner - die dritte Auflage ist fertig. 30 000 Kataloge wurden bereits verkauft. Das beweist: Die Renaissance ist in.