Festival

Das Gorki-Theater verwandelt sich in den Kleist-Park

| Lesedauer: 2 Minuten
Stefan Kirschner

Der Lorbeerkranz ist allgegenwärtig. Er ziert zahlreiche Plakatsäulen dieser Stadt. Und natürlich den Monatsspielplan des Maxim Gorki Theaters. Das müsste eigentlich Kleist-Theater heißen, denn in den folgenden zweieinhalb Wochen dreht sich alles um Kleist. Der zu Lebzeiten verkannte Dichter, auch ein Waffenliebhaber mit Kriegserfahrung, erschoss am 21. November 1811 erst seine Freundin Henriette Vogel und anschließend sich selbst.

Der Tag des erfolgreichen Doppelsuizids in einem Waldstück am Stolper Loch (dem heutigen Kleinen Wannsee) soll sein glücklichster gewesen sein.

Den Wannsee holen sie nicht ins Gorki, aber es gibt täglich einen Bustransfer vom Theater in den Süden. Am Kleinen Wannsee eröffnet am 11. November Paul Plampers Hörspiel-Parcours, Besucher können sich im Areal um das Kleist-Grab hörend und gehend erschließen, was damals geschah. Das Projekt ist auf fünf Jahre angelegt. Es wird ebenso wie das gesamte Festival von der Bundeskulturstiftung finanziert, die mit insgesamt 2,3 Millionen Euro Veranstaltungen zum Kleist-Gedenkjahr unterstützt, wie Hortensia Völckers, künstlerische Direktorin der Stiftung, gestern auf einer Pressekonferenz im Maxim Gorki Theater sagte. Offenbar stieß Kleist auf wohlwollende Kuratoriumsmitglieder. Einer davon ist im Hauptberuf Bundestagspräsident und heißt Norbert Lammert. Er ist Mitglied der Kleist-Gesellschaft und diskutiert am 8. November mit Günther Blamberger über "Amt und Lebensentwürfe" im Collegium Hungaricum - das ungarische Kulturinstitut schräg gegenüber dem Gorki stellt dem Festival auch seine Fassade zur Verfügung. Weitere Diskurse finden in der Tronkaburg statt, die aus Inszenierungsrequisiten im Hof des Theaters aufgebaut wird. Der benachbarte Garten ist zwei Tage vor Festivalbeginn kaum noch wiederzuerkennen: Aus Tarnnetzen sind quaderförmige Hecken und kegelförmige Bäume entstanden, ein bisschen erinnert das Ganze an Bühnenbilder von Robert Wilson, zumal in dem Augenblick, als während der Pressekonferenz ein Paketbote langsam am Kleistschen Irrgarten vorbeischritt.

Einen Schwerpunkt bildet natürlich Kleists Werk, sein gesamtes dramatisches (sieben Dramen und ein Fragment) und auch einige Novellen werden im Rahmen des Festivals vom 4. bis 21. November im Gorki gezeigt. Mit zwei Inszenierungen von Armin Petras gastieren die Münchner Kammerspiele in Berlin, vier kommen aus dem Repertoire und zwei haben Premiere: Jan Bosse inszeniert "Das Käthchen von Heilbronn" zum Auftakt und Antu Romero Nunes "Die Familie Schroffenstein" zum Ende.