Konzert

Philharmonie: Harnoncourt lässt es bei Beethoven krachen

Immer schon war Nikolaus Harnoncourt (81) ein Herausforderer erster Klasse. Zu Gast bei den Philharmonikern hatte er zwei Werke Beethovens aufs Programm gesetzt, unter ihnen die C-Dur-Messe, die das Orchester seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr gespielt hatte.

Attackierend, unverschleiert, wegweisend, so führte Harnoncourt sie, gestützt auf den energisch mitgehenden Rundfunkchor Berlin, auf. Diese interpretatorische Aggressivität steigerte sich noch in der Wiedergabe der bravourös auf die Hörer niederkrachende Fünfte Sinfonie des Meisters. Ein Schlachtgesang schien anzuheben, dessen Sieg von Anfang an feststand. Harnoncourt schien sich dem Verein der Jungdirigenten eingemeindet zu haben, die an einem neuen Beethoven-Bild arbeiten: windfüßig, alarmierend, zeitgemäß.

Die Philharmoniker spielten eher verunsichert den ihnen jetzt abverlangten Beethoven, den Mauerbrecher und Neutöner, der nichts mehr mit dem Klassiker zu tun zu haben schien, den man bis dahin verehrt hatte. Man übertrug diese Verehrung einfach nur auf den alten Herrn am Pult, der mit nackter Hand und unglaublichem Körpereinsatz den brandneuen Beethoven aus dem alten herausbrach: wahrlich ein Monument der eigenwilligen, wegweisenden Interpretation.