Festspielplan 2013

Frank Castorf hat Bayreuth zugesagt

Nach wie vor prallen Welten aufeinander, wenn das Richard-Wagner-Festival seinen gewohnten Weiheort Bayreuth verlässt und sich in die weite, raue Kulturszene - wie sie in Berlin vorzufinden ist -vortastet.

Dabei gab es von beiden Festspielleiterinnen Eva Wagner-Pasquier und Katharina Wagner gestern in der PanAm Lounge durchaus Wuchtiges zu verkünden. Schließlich laufen die Vorbereitungen zum Richard-Wagner-Jahr 2013, wenn der 200. Geburtstag und der 130. Todestag des Komponisten gefeiert werden, auf Hochtouren. Und außerdem waren seit dem zum Festspielende geschlossenen Vorhang viele Fragen offen. Die wurden meistenteils beantwortet. Aber erst einmal durften sich die Sponsoren verbreiten und dann wurden deren "holde Gattinnen zur Rechten" begrüßt. Rührend.

Das Wichtigste: Ja, Frank Castorf wird den Jubiläums-"Ring" 2013 inszenieren. Der Intendant der Berliner Volksbühne hat Katharina Wagner gesagt, dass sie dieses "Ja" verkünden darf, auch wenn die Verträge wegen "formeller Details" noch ununterschrieben beim Anwalt liegen. An Wagners Geburtstag, dem 22. Mai, wird Christian Thielemann zudem im Festspielhaus ein Sonderkonzert dirigieren. Im Anschluss daran soll es eine große Geburtstagsfeier geben.

Im Juli werden in der akustisch aufgepeppten Oberfrankenhalle die drei Frühwerke zu sehen sein, denen die Hügelehre weiter verwehrt bleibt. Richard Wagner selbst hatte einst verfügt, dass seine Frühwerke nicht im Festspielhaus auf dem Grünen Hügel aufgeführt werden sollen. Das Gewandhausorchester spielt, und die Oper Leipzig produziert, wo man sich besonders freut, erstmals auf der Achse Oberfranken-Sachsen Wagners Leben von der Geburtsstadt bis zur Bahre zu zelebrieren. 570 000 Euro hat die Stadt Leipzig für eigene Wagner-Aktivitäten bereitgestellt, 290 000 Euro davon werden in die Opern fließen.

Leipzigs dirigierender Intendant Ulf Schirmer gastiert in Bayreuth konzertant mit den "Feen". Die fantastische Zauberoper wird vorher an der Pleiße von dem für Bildopulenz bekannten kanadischen Duo Renaud Doucet und André Barbe inszeniert. "Rienzi", von Thielemann geleitet, gibt es nur in Bayreuth zu sehen. Regie: der ehemalige Festspiel-Spielleiter und "Simpsons"-Dialogschreiber Matthias von Stegmann. "Das Liebesverbot" in der Regie von Aron Stiehl, dirigiert von Darmstadts aufstrebendem GMD Constantin Trinks, kommt erst in Bayreuth heraus.

Natürlich hat Katharina Wagner auch Internet-Geburtstagsauftritte mit Filmchen und Rapsongs für Kinder bereit. ""Das Programm zum Wagner-Jahr 2013 ist gezielt darauf ausgerichtet, auch junge Leute einzubeziehen", sagt sie. Es gibt einen Wissenschaftswettbewerb, Villa-Wahnfried-Chef Friedrich hofft, dass der Umbau rechtzeitig fertig ist, die angekündigte Historikerkommission hat angefangen, und Eva Wagner initiiert eine Gesangsmeisterklasse.

Nichts gesagt wurde über die umstrittene Kartenkontingentvergabe (darüber tagte bereits der Festspielrat), auch ein neuer Public-Viewing-Sponsor steht nicht fest. Aber, wie die Berliner Morgenpost erfuhr, Aufzeichnung und Übertragung von Stefan Herheims "Parsifal" sind gesichert.