Urteil

Sechs Jahre Haft: Harte Strafen für Kunstfälscher

In einem der größten Kunstfälscher-Verfahren der Nachkriegsgeschichte hat das Kölner Landgericht Haftstrafen bis zu sechs Jahren verhängt. Das Gericht sprach die Angeklagten am Donnerstag des gewerbsmäßigen Bandenbetrugs schuldig.

Als "Drahtzieher und Initiator" erhielt Wolfgang Beltracchi (60) die höchste Strafe von sechs Jahren. Zu Gute hielt der Vorsitzende Richter Wilhelm Kremer den Angeklagten, dass ihnen der Kunstmarkt den Betrug "verblüffend einfach" gemacht habe. "Ernsthafte Kontrollen haben nicht stattgefunden."

Die Angeklagten hatten gestanden, jahrelang gefälschte Meisterwerke der Avantgarde der Zwischenkriegszeit in den Kunstmarkt geschleust und Millionen kassiert zu haben. Für die Geständnisse bekamen sie wie zuvor vereinbart einen Strafrabatt. "In der Tat handelt es sich um ein nicht alltägliches Verfahren, an dem sich vermutlich die Geister scheiden", sagte Richter Kremer. Die Angeklagten hätten weder "Brot und Wasser im dunklen Verlies verdient", noch seien ihre Taten eine "Eulenspiegelei".

Beltracchis Frau Helene (53) muss für vier Jahre, der Komplize Otto S.-K. (68) für fünf Jahre ins Gefängnis. Ein drohender Mammutprozess mit fast 170 Zeugen wurde durch die Geständnisse abgewendet. Die drei Hauptangeklagten kamen nach der Urteilsverkündung vorläufig und unter strengen Auflagen auf freien Fuß. Das Ehepaar Beltracchi hatte seit seiner Festnahme im August 2010 in Untersuchungshaft gesessen. Zur Anklage standen 14 gefälschte Bilder im Stile von Max Ernst, Max Pechstein oder Heinrich Campendonk, mit denen die Angeklagten laut Gericht 9,7 Millionen Euro erlöst hatten. Die Ermittlungen zu mehr als 40 weiteren Fälschungen werden eingestellt.

Motor des Betrugsgeschäfts war Wolfgang Beltracchi, der sich schon Mitte der 80er Jahre mit Otto S.-K. zusammengetan hatte. Beltracchi habe die Bilder allein gemalt, die Herkunftslegende von den angeblich sammelnden Großvätern Jägers und Knops erfunden und die Preise festgelegt, sagte Kremer. Seine Frau Helene lieferte in Auktionshäuser ein, der Komplize Otto S.-K. verkaufte an Galerien in Paris und Genf.

Beltracchi habe seine Werke vom Kauf alter Leinwände und Farben über Fachlektüre bis hin zu Museumsbesuchen "akribisch vorbereitet und durchgezogen". Renommierte Kunstexperten und weltbekannte Auktionshäuser fielen jahrelang auf die Fälschungen herein. Die Bilder hingen in Museen etwa in der Sammlung Würth, bei Sammlern in den USA und Europa.