Konzert

Lieber leise Töne: Ein Ständchen für Sofia Gubaidulina

Ein Festkonzert zum 80. Geburtstag von Sofia Gubaidulina gab die Vereinigung "KlangArt Berlin" im Kammermusikabend. Die Gubaidulina gilt vielen heutzutage als die bedeutendste Komponistin überhaupt.

Das haben schon viele ihrer weltberühmten Kollegen damals gewittert, als sie noch alle vereint in der Sowjetunion leben und arbeiten mussten, unter anderen ihre Gönner, Förderer, Auftraggeber Schostakowitsch, Gidon Kremer, Rostropowitsch. Das Feld, auf dem Gubaidulina nach ihrer Übersiedelung in die Nähe von Hamburg also zukünftig tätig sein würde, war also vorab bestens bestellt. Ihr Werkkatalog ist inzwischen annähernd unübersehbar, wobei ins Auge fällt, dass sie vor den sonderbarsten kammermusikalischen Kombinationen nicht zurückschreckt. Ihre "Fünf Etüden" zum Konzertauftakt sind denn auch für Harfe, Kontrabass und Schlagzeug geschrieben. Musikalisch eher als feindlich angesehene Geschwister reichen sich bei Gubaidulina zuversichtlich und in völligem Einverständnis die Hand. Es wird musikalisch geflüstert, als höre der alte Feind immer noch mit.

Auch das anschließende "Silencio" macht schon im Titel deutlich, das es auch hier gilt, die Ohren zu spitzen. Diesmal vereinen sich auf Gubaidulinas Befehl Violine und Kontrabass mit der sogenannten "Schweine-Orgel", dem Knopfakkordeon namens Bajan. Wie schon in den Etüden wird ein Ohrenspitzen kultiviert, das sich durchaus lohnt. Was Gubaidulina vorsätzlich so leise vor sich hinsagt, hätte sie auch durchaus lauter formulieren können. Immerhin - das Publikum hielt geradezu den Atem an, um nichts von der Fein- und Kleinmeisterei der großartigen Komponistin zu überhören.