Konzert

Kammermusiksaal: Pianist Rafal Blechacz fühlt sich wie zuhause

Mit knappen kontrollierten Bewegungen, wie aus dem Ärmel geschüttelt, kann der schmächtige Pianist seine Klangwelten kreieren und ebenso schnell wieder ersterben lassen. Das Publikum kann nur dasitzen, staunen und ihn am Ende feiern.

Rafal Blechacz ist ein Geheimtipp, nach wie vor, was beiläufig den dürftig besetzten Kammermusiksaal erklärt. Dabei steht der junge Pole in einer Reihe mit den ganz Großen wie Pollini, Argerich oder Pogorelich. Letzterer bekam allerdings beim elitären Warschauer Chopin-Wettbewerb, der nur alle fünf Jahre stattfindet, keinen Preis, was einst zum Skandal führte. Blechacz bekam ihn 2005 einmütig.

Genau genommen ist Blechacz ein pianistisches Landei, 1985 in Nakel geboren und abseits der großen Musikerschmieden herangereift. Aber Chopins Musik ist seine Kinderstube. Bei den vier Mazurken aus op. 17 fühlt er sich ganz zuhause - und so kann sich der brillante Techniker Freiheiten in der Akzentuierung herausnehmen. Seine ganz eigene Art des kühlen Sezierens von Gefühlszuständen überträgt er auch auf andere Komponisten. Bachs Partita Nr. 1 B-Dur gewinnt an Farbtiefe, Szymanowskis c-Moll-Sonate an Leichtigkeit, Debussys Suite "Für das Klavier" an Fülle, einzig Mozarts neun Variationen KV 264 - der uneitle Blechacz hat nichts mit Manierismen - hat einige Längen.