Konzert

Philharmonie: Joshua Bell lässt seine Stradivari singen

Vor seiner Abreise zur Japantournee unter Leitung von Yutaka Sado verabschiedete sich das Deutsche Symphonie-Orchester in der Philharmonie mit einem wahren Wunder von einem Konzert, in dessen Mittelpunkt eine Geige stand: die Stradivari von 1713, die einst Bronislav Hubermann gespielt hat.

Sie liegt nun bei Joshua Bell in den besten Händen. Er führte es zum Entzücken des Publikums mit Tschaikowskys Violinkonzert vor. Man ertappte sich geradezu dabei in der falschen Hoffnung, die Kadenz würde möglicherweise niemals enden. Sie tat es. Tschaikowskys Meisterwerk lebt sich geradezu überglücklich melodiös aus. Bell ließ es ganz einfach singen. Der Violinpart blühte geradezu in den des Orchesters hinüber, der Übereinklang von Orchester und seinem Solisten ging atemberaubend auf. Joshua Bell wurde gefeiert.

Aber auch das Orchester verstand es unter Sado, auf seine glänzenden Fähigkeiten hinzuweisen. Es begann artig mit Beethovens Leonoren-Ouvertüre Nr. 3 und erging sich dann mit Herzenslust in den vier herausfordernd abwechslungsreichen Sätzen der "Pariser"- Sinfonie Nr. 86 von Joseph Haydn, bei deren leichthändigem Aufbau man immer versucht ist zu glauben, irgendwie habe ein Mensch wie Loriot zumindest in den 3. Satz des Menuetts hineingeschmunzelt.