Tonträger

"Welt-Edition": Die schönsten Werke des Musiktheaters

Wo anfangen? Angeblich sollen bis zu 50 000 Opern in irgendwelchen Archiven und Bibliotheken schlummern. Der meist vergessene Löwenanteil dieser beeindruckenden Zahl ist freilich Meterware der nach Musiktheater gierigen Barockzeit.

Doch 100 Werke aus vier Jahrhunderten Oper gehören heute zum Repertoire-Kanon weltweit. Diese wiederum liegen in unzähligen Gesamtaufnahmen auf dem Tonträgermarkt vor. Oftmals haben in der Hochzeit der Studioeinspielungen dieselben Sänger in gleicher Rolle mehrfach aufgenommen. Die Fülle wird sogar noch verwirrender, weil alle Einspielungen, die älter als 50 Jahre sind, heute rechtefrei von jedem neu gepresst werden können.

"Opern der Welt", eine schlanke, doch durchaus repräsentative zweiteilige Edition mit je zehn kompletten Werken in kompakten Boxen (je 69,90 Euro) will hier ein wenig Licht ins Auswahldunkel bringen. Gerade der Vokal-Einsteiger soll hier mit einem preiswerten Angebot zu einer Basisdiskothek verführt werden. Doch auch der Kenner wird mit der Edition seine Sammlung mit der einen oder anderen Kostbarkeit komplettieren.

Als erste Adresse für eine sowohl reichhaltige Titelauswahl als auch für einen hervorragende Interpreten garantierenden Backkatalog hat sich Sony Classical angeboten. Finden sich doch in deren Archiv nicht nur Preziosen aus aktueller Produktion, sondern - durch die diversen Firmenfusionen - das Erbe so traditionsreicher Labels wie RCA, CBS und Ariola Eurodisc. Der Bogen der Interpreten spannt sich dabei von den größten amerikanischen Sängern bis zu den europäischen und deutschen Spitzenstars. Es sind etliche Einspielungen in dieser Edition zu finden, etwa der feurig-knackige römische "Rigoletto" von Sir George Solti oder Claudio Abbados opulent kantiger "Boris Godunow" mit den Berliner Philharmonikern.

Der zeitliche Radius der Edition beginnt bei Händels Löwenherz-Oper "Riccardo Primo" von 1727 und Glucks "Orfeo" (in einer historisch informierten Einspielung unter Frieder Bernius) von 1762. Er reicht bis zur farbenschillernden "Salome" von Richard Strauss (mit Montserrat Caballé), uraufgeführt 1905, und dem Hit von 1928, Brecht/Weills "Dreigroschenoper" - in der klassischen Aufnahme mit der Ur-Jenny Lotte Lenya. So viel große Oper auf 22 CDs war nie.