Konzert

Die Philharmoniker folgen einem jungen Spanier am Pult

Das sind die Debüts, von denen man immer träumt. In der Philharmonie stellte sich der junge spanische Dirigent Pablo Heras-Casado an der Spitze der Philharmoniker vor und hatte überdies mit dem Pianisten Marc-André Hamelin einen ebenbürtig leidenschaftstrunkenen und überlegend gestaltenden Kollegen zur Seite.

Mit vereinten Kräften fielen sie über Karol Szymanowskis "Symphonie Nr. 4 für Klavier und Orchester" her, die im Grunde weder Sinfonie noch Klavierkonzert ist, sondern eine großmächtig daherfauchende Konzert-Fantasie, die den Hörer auf Anhieb gefangen nimmt. Ein einziges Mal in annähernd 75 Jahren kam das außergewöhnliche Stück bislang in Berlin zu Gehör.

Begonnen hatte Heras-Casado sein Debüt-Programm mit Mendelssohn Bartholdys "Hebriden"Ouvertüre. Er beschloss es abermals mit Mendelssohn: ein feinfühliger, dennoch kraftvoller und visionsstarker Dirigent, dem anfangs das Orchester mit so etwas wie vorsichtiger Distanz folgte, bevor es sich ihm Hals über Kopf in die Arme warf. Der Übereinklang wuchs flugs der Vollkommenheit entgegen. Beteiligt daran vor allem die empfindsame Solo-Klarinette von Andreas Ottensamer und der neue Konzertmeister Andreas Buschatz.

Aber noch eine Herausforderung erster Klasse barg das Programm: die "Vier Dedikationen", die Pierre Boulez aus dem Nachlass von Luciano Berio, des verstorbenen Freundes und Weggefährten, zusammengestellt hat: herausfordernde, hoch persönliche Geschenke an verschiedene Orchester, Kurzbrenner sie alle. Aber sie verstehen es durchaus, einen Saal in Brand zu setzen. Ihr Kurzformat macht sie musikalischen Briefmarken vergleichbar, aufgeklebt winzigen Nachrichtensendungen über den Zustand der Neuen Musik und ihrer künftigen Ziele. Etwas Vergleichbares hat es bislang nicht gegeben. Es ist nachträglich Pierre Boulez noch einmal zu danken, dass er das Künftige aus den kleinen Huldigungen und Danksagungen Berios herauszuhören und zu bewahren verstand. Man hört eben nicht einzig mit den Ohren, sondern auch mit dem Herzen.