Zukünftiges

Slums sind für viele der Ort, wo der soziale Aufstieg beginnt

Warum nur ziehen Millionen von Menschen freiwillig in Slums? Der kanadisch-britische Journalist Doug Saunders gibt auf diese Fragen eine einfache Antwort: Sie hoffen auf ein besseres Leben.

Die Favelas, Gecekondular und Bidonvilles am Rand der Megastädte sind nämlich alles andere als hoffnungslose Endstationen für gescheiterte Existenzen. Sie sind im Gegenteil der Startpunkt für den sozialen Aufstieg. Das ist eine gewagte These - und stellt das weltumspannende Phänomen der Migration in ein neues Licht. Für Saunders ist die Zuwanderung von Menschen aus anderen Ländern und Kulturkreisen eben nicht einfach nur Ursache lästiger Probleme wie Bandenkriminalität, Islamismus, Parallelgesellschaften und Überfremdung. Er sieht in der Migration vielmehr enorme Chancen. Millionen Menschen ziehen Jahr für Jahr vom Dorf in die Stadt. Dieser Übergang vom Landbewohner zum Stadtbürger vollzieht sich in der "Arrival City", wie Saunders sie nennt, der Ankunftsstadt - was eine freundlich-optimistische Umschreibung für ein ungeplantes Viertel am Rande der Großstadt ist.

Saunders erklärt, wie ein solches Viertel funktionieren muss, damit Menschen der Sprung in ein besseres Leben gelingt. Wo auf den ersten Blick nur bittere Armut herrscht, sieht Saunders wirtschaftliches Engagement, soziale Netzwerke und einen unbändigen Willen weiterzukommen. Drei Jahre ist er um die Welt gereist und hat Bewohner von mehr als zwanzig Ankunftsstädten getroffen. Natürlich scheitern auch viele Menschen, aber ein Großteil schafft den Aufstieg in die Mittelschicht. Saunders großes Verdienst liegt in dem Perspektivwechsel, der Migration zu einem positiven Zukunftsthema macht.

Doug Saunders: Arrival City. Aus dem Englischen von Werner Roller. Blessing, München. 572 S., 22,95 Euro