Anita Ekberg

Vom süßen Leben der blonden Venus

Drei Marken haben das Ansehen Schwedens in der Welt geprägt: Volvo, Saab und Anita Ekberg. Volvo gehört mittlerweile einem chinesischen Konzern, Saab steht unter Gläubigerschutz, Anita Ekberg lebt auf einem Landsitz bei Rom.

1931 in Göteborg als sechstes von acht Kindern einer Arbeiterfamilie geboren, wird sie immer noch in einem Atemzug mit Brigitte Bardot und Marilyn Monroe genannt; die Szene in "La Dolce Vita", in der sie Marcello Mastroianni dazu verführt, zu ihr in den Trevi-Brunnen zu steigen, gehört zu den Highlights der Filmgeschichte, wie das Wagenrennen in "Ben-Hur" und der Mord unter der Dusche in "Psycho".

Als "Das süße Leben" 1960 in die Kinos kam, hatten die Autos noch Heckflossen, die Frauen Rundungen und die Männer Spaß an äußeren Werten. Schaut man sich die Szene heute, aus dem Abstand von 50 Jahren, noch einmal an, fällt vor allem auf, wie subtil Gefühle artikuliert wurden - und wie lasziv es zugleich dabei zuging.

Sylvia, gespielt von Ekberg, findet mitten in der Nacht in Rom eine kleine Katze, die sie sofort an sich nimmt und zu kosen anfängt. Ihr Begleiter Marcello, gespielt von Mastroianni, der sich die Nacht etwas anders vorgestellt hatte, zieht widerwillig los, um Milch für das Tier zu besorgen. Derweil streift Sylvia durch das nächtliche Rom, bis sie vor dem Trevi-Brunnen steht. Sie kann der Versuchung nicht widerstehen. Plötzlich ist Marcello, ein Glas Milch in der Hand, wieder da. "Marcello, komm her!", ruft Sylvia, "ja, ich komme!", ruft Marcello zurück, zieht sich die Schuhe aus und steigt zu Sylvia in den Brunnen.

Aber nicht alle Filme, in denen die Ekberg mitmachte, waren künstlerisch so wertvoll. Im Thriller "Screaming Mimi" etwa, in der deutschen Fassung "Die blonde Venus", trat sie 1958 als Tänzerin auf; der Film ist kein Kunstwerk, enthält aber eine Szene, in der "Miss Jolanda" einen Striptease hinlegt, ohne auch nur ein Kleidungsstück auszuziehen. Diese zwei Minuten und zehn Sekunden gehören zum Schärfsten, das je in einem Film gezeigt wurde. Die Rollen, die Anita Ekberg spielte, waren ihr buchstäblich auf den Leib geschrieben; ebenso wie Rita Hayworth und Jane Russell war sie nicht nur ein Lustobjekt, sie genoss es offenbar auch, eines zu sein.

Der letzte Film, in dem Anita Ekberg auftrat, war das Doku-Drama "Intervista", mit dem Fellini sich 1987 selbst ein Denkmal setzte, Ekberg und Mastroianni spielten Ekberg und Mastroianni.

Ende 1994 hat Anita Ekberg dem holländischen Fernsehen ein Interview gegeben. Da war sie schon über 60 und das Leben hatte seine Spuren in ihrem Gesicht hinterlassen. Mastroianni, sagte sie, sei "eine Null" gewesen, Fellini dagegen "ein großer Regisseur", aber sie habe nichts mit ihm gehabt, weil sie annahm, er sei "entweder schwul oder impotent". Ekberg flirtete mit dem Reporter, gab der Kamera Küsschen und versicherte, sie sei glücklich, bedauere nur, zweimal die falschen Männer geheiratet zu haben. Auf der Haben-Seite stehen immerhin zwei Dutzend Filme und eine Anzahl prominenter Liebhaber wie Errol Flynn, Frank Sinatra und Gary Cooper.