Ausstellung

Ein Vorgeschmack auf die große Schinkel-Schau

Im nächsten Jähr steht die große Schinkel-Retrospektive an. Einen musealen Vorgeschmack gibt jetzt schon einmal die schöne Kabinettausstellung "Karl Friedrich Schinkel. Entwürfe für Bildhauer" in der Alten Nationalgalerie.

Schinkel, als einer der renommiertesten Architekten des 19. Jahrhunderts, schrieb Architekturgeschichte: Als 1830 das Alte Museum am Lustgarten eröffnet wurde, war das die Initialzündung für die Museumsinsel, die heute zum Unesco-Welterbe gehört. Mit dem Bau des Schauspielhauses am Gendarmenmarkt setzte er Maßstäbe im Theaterbau, und der Besuch der Neuen Wache und der Friedrichswerderschen Kirche fehlen in keinem ernst zu nehmenden Stadtführer. Schinkels Erfolge als Architekt sind unbestritten, doch Schinkel war mehr, die Forschung hat ihn längst - auf einer Ebene mit Michelangelo - als Universalkünstler, also als Zeichner, Maler, Bühnenbildner anerkannt. Seine Entwürfe für die Zauberflöte gehören zu den Ikonen der Bühnenkunst.

Das Kupferstichkabinett will nun noch einen anderen Schinkel entdeckt haben, den Bildhauer. Klingt zunächst wenig plausibel, weil der Künstler nachweislich nie modelliert hat oder auch nie einen Meißel in der Hand hatte. Das traute er sich bei aller Begabung dann doch wohl nicht zu, wie Kurator Rolf H. Johannsen vermutet. Umso erstaunlicher, wie Schinkel bildhauerisch mitmischte: bei den Statuengruppen für die Berliner Schlossbrücke, die Entwürfe für die Giebel des Schauspielhauses und dem Dachschmuck des Alten Museums. An den sehr ausgefeilten Skizzen erkennt man den sensiblen Zeichner Schinkel ebenso stark wie den Architekten, der seine Arbeit immer auf den umgebenden Raum bezieht.

Komplexe, utopische Entwürfe

Um diese Ideen auszuführen, mussten Bildhauer ran wie Christian Friedrich Tieck oder Johann Gottfried Schadow. Das barg nicht selten Konfliktpotenzial, denn erfahrene Hofbildhauer wie Schadow ließen sich nicht gern vorführen von einem Jungspund wie Schinkel. Da ging es natürlich um Konkurrenz, teilweise wohl auch um sehr komplexe Entwürfe, die Schadow vielleicht als zu verstiegen sah. Der Entwurf für den Befreiungs-Dom, 1814/15 als dreischiffige Basilika entworfen, zeigt im Innern eine 15 Meter hohe Christusfigur. Schinkels Vorbild war kein geringerer als der Florentiner Dom. "Ein utopischer Entwurf, der nicht auszuführen gewesen wäre", so Rolf H. Johannsen.

Dennoch formulierte Schinkel in sehr präzisen, detailreich ausgeführten Zeichnungen seine Vorstellungen von Skulptur im (öffentlichen) Raum. Das Kupferstichkabinett, das die Schau mit rund 30 Exponaten bestückt, steht in der ersten Reihe - mit rund 5500 Blättern ist die Institution so etwas wie der Verwalter von "Schinkels Erbe". Schon im nächsten Jahr soll auch der große Online-Katalog mit Tausenden Zeichnungen, Aquarellen, Gouachen und Grafiken aus dem Nachlass fertig sein. Für das Schinkel-Jahr 2012 in Berlin ist man also bestens gerüstet.

Alte Nationalgalerie , Bodestr.1-3, Mitte. Di/Mi 10-18 Uhr, Do 10-20 Uhr, Fr-So 10-18 Uhr. Bis 8.1. 2012.