Konzert

Ingo Metzmacher lotet musikalische Grenzwege aus

Diesmal klingen die Blechbläser nicht strahlend und stählern. Gegen jedes Klischee formulieren sie ein inniges, eindringliches Gebet. Ganz leise und verhalten tasten sich Trompeten, Posaunen und Hörner durch die mystische Klanglandschaft. Vier musikalische Meditationen hat Olivier Messiaen in "L'Acension" formuliert.

Die Palette reicht von der stillen Einkehr bis zum lustvollen Hallelujah. Das Programm in der Philharmonie wirkt wie ein Nachklang zum Papstbesuch. Zwei katholische Komponisten stehen sich an der Grenze zwischen Diesseits und Jenseits gegenüber. Der eine, Messiaen, schildert die Himmelfahrt. Der andere, Franz Schubert, beschreibt die Auferweckung des Lazarus von den Toten.

Ingo Metzmacher hat für die spannende Programmdramaturgie gesorgt. Dafür ist der Dirigent bekannt. Er steht zum ersten Mal wieder am Pult des Deutschen Symphonie-Orchesters, seit er Berlin desillusioniert verlassen musste. Das war vor einem Jahr. Mit großen Plänen und Hoffnungen war er hier 2007 angetreten. Langfristige programmatische Konzepte wollte er durchsetzen, das Konzertleben modernisieren, nachhaltige Arbeit leisten. Seine Position an der Amsterdamer Oper hat er dafür aufgegeben. Nach nur drei Jahren scheiterten die Vertragsverhandlungen - vordergründig an der Finanzierung von sieben Solistenstellen. Die Verantwortlichen der Rundfunkorchester und -chöre GmbH hatten ihre eigenen Pläne. Das Deutsche Symphonie-Orchester sollte mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester fusioniert werden. Das scheiterte zwar am massiven Widerstand, aber Metzmacher blieb trotzdem auf der Strecke.

Der neue Chefdirigent Tugan Sokhiev kommt erst in einem Jahr. So lange zehren die Musiker auch von den schönen Neuerungen, die der alte Chef eingeführt hat. "Grenzwege" lautet das Motto der Saison. Metzmacher hat die Idee der Spielzeit-Themen installiert. Einen Tag später leitete er ein "Casual Concert", auch das ist seine Erfindung für Berlin gewesen. Er nimmt er gern den warmherzigen Applaus entgegen. Er ringt die Hände, legt eine Hand aufs Herz. Berlin ist ihm noch immer alles andere als gleichgültig.