Historienroman

Wie Leonardo die Dame mit dem Hermelin gemalt hat

Es ist ein Auftragswerk. Sie ist die Mätresse seines Herzogs. Sie ist kokett und behandelt ihn von oben herab: "Wenn Sie kein Künstler wären, würde ich mir verbieten, so unverschämt angegafft zu werden." Deshalb schaut sie am liebsten aus dem Fenster. Der Maler aber malt sie genau so, zur Seite blickend.

Und schafft ein Meisterwerk seiner Zeit: "Die Dame mit dem Hermelin."

John Vermeulens "Maler des Verborgenen" ist das Buch zur derzeitigen Ausstellung im Bode-Museum. Dort ist die Hermelin-Dame einer der Höhepunkte. In diesem Leonardo-Roman wird erzählt, wie dieses und andere Gemälde entstanden sind. Aber auch, wie der Meister immer wieder gelangweilt war von seinem Schaffen, wie er zur Fertigstellung seiner Werke förmlich gezwungen werden musste. Und dass er sich für ganz andere Dinge interessierte, allen voran Flugmaschinen, mit denen er seiner Zeit voraus war, aber viel belächelt wurde.

Der belgische, im August 2009 gestorbene Autor Vermeulen hat schon biographische Romane über Pieter Brueghel ("Die Elster auf dem Galgen") und Hieronymus Bosch ("Der Garten der Lüste") verfasst. In seinem letzten, postum auf Deutsch erschienenen Werk stellt er das Leben Leonardo da Vincis in kraftvoll-pastösen Pinselstrichen nach. Und füllt die biographischen Lücken keck mit fiktiven, literarischen Pointen. So lässt er den älteren Leonardo immer wieder auf den aufstrebenden jungen Michelangelo treffen oder Stammtischgespräche mit Machiavelli führen. In den letzten Kapiteln geht es um den zunehmenden Ekel vor dem Alter und dem eigenen Verfall. Da spricht uns vielleicht nicht nur da Vinci, sondern Vermeulen selbst an.

John Vermeulen : Der Maler des Verborgenen. Diogenes, 580 Seiten, 24,90 Euro.