Aufführung

Nichts für Krimi-Fans: Mr. Ripley im Studio der Schaubühne

Eine leere, glatte Visage, schiefes Grinsen, braves Brillchen. Doch dann gibt es da ein Stechen in den Augen dieses faden Rundschädels, da durchzuckt es uns: O Mann!

Dieses Biedermännchen mit Schlips könnte womöglich Türme in die Luft sprengen. Tut es natürlich nicht. Der gräuliche Tom Ripley killt nur den stinkreichen Playboy Dickie Greenleaf - im Studio Schaubühne. Das nämlich lädt zum Nachtkrimi mit Patricia Highsmiths Klassiker "Der talentierte Mr. Ripley".

Mord aus Neid, Gier, unterschwellig schwuler Hassliebe. In der klaren Story aber steckt noch eine irritierende Fülle von Subtexten: eine Aufsteiger- und Liebesgeschichte, ein Künstler- und Entwicklungsroman, ein Vexierspiel mit Identitäten - wie Regie und Dramaturgie im Programmheftchen verlautbaren. Doch all das bringt Regisseur Jan-Christoph Gockel bloß arg eingeschränkt rüber. Das Beste am Abend sind seine ersten 50 Minuten: Wenn da der umtriebig gurrende Mops Tom (David Ruland) und das nichtstuerisch flapsige Riesenbaby Dickie (Sebastian Schwarz) einander umtänzelnd näherkommen und dabei Dickies dürres Blondchen Marge (Luise Wolfram) immerzu Schnute ziehend im Wege steht.

Herrlich, dieses Duell-Duett-Pas de deux der klasse Komiker: Schnappiger Terrier (Ruhland) im Clinch mit dickfellig schwitzendem Bernhardiner (Schwarz). Die beiden sind freilich ein längst eingespieltes Paar als Zack & Dave in der flott nach Rock'n'Roll klingenden Schaubühnen-Soap namens "Zack'n' Dave" - ein super Krimi-Tingeltangel Marke Eigenbau, das inzwischen das Zeug hat zum Kult. Dagegen fällt die Highsmith-Nummer unerwartet ab. Und nach der Mordtat von Mr. Ruhland sowie der völlig überflüssigen Pause leiert alles aus in theatralischem Rumgemache. Und so beschließt Langeweile, was vielversprechend begann als amüsanter Kammerspiel-Krimi-Boulevard.

Schaubühne (Studio), Kurfürstendamm 153, Wilmersdorf. Tel. 89 00 23.