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Musikfernsehen ist nicht tot: Ein Abend mit Kasabian und dem ZDF

Die Öffentlich-Rechtlichen beleben das totgeglaubte Musik-Fernsehen wieder. ZDFneo, ZDFkultur und Arte schicken gefühlte hundert neue Formate, die irgendwas mit Musik zu tun haben, durch den Orbit.

Da gibt es Talk mit Musik in schwarz-weiß bei "TV Noir", Talk mit Musik in Farbe bei "Wanted", und Musik mit ein bisschen Talk bei "Berlin Live".

Heizkraftwerks-Ästhetik, das ist wohl Berlin: Hohe, dumpf nachhallende Beton-Kathedralen mitten in die Stadt gemeißelt. Das gibt es nicht nur im Berghain, sondern auch in Mitte. Trafo heißt das Riesen-Ding direkt neben Vattenfall an der Köpenicker Straße. Nach zweijähriger Pause eröffnete Dimitri Hegemann 2007 sein Baby, den Tresor, dort wieder. Seit Mai zeichnet ZDFkultur das neue Format "Berlin Live" auf.

Eine Spider-Cam saust lautlos über die Köpfe der Zuschauer. Das ist eine Kamera, die an vier Seilen hängt. Durch das Ein- und Ausrollen der Seile bewegt sich das schwarze Ding wie von Geisterhand. Auf den Bildschirm bringt sie meist diese verschwitzten Typen, die die Arme ausbreiten, nach oben in die Linse blicken und dann so was wie "Yeah" schreien, dabei immer auch etwas Bier verschütten

Auf drei Bühnen verteilt positionieren sich die Bands des Abends: In der Mitte die selbsternannten "letzten richtigen Rockstars" Kasabian, links die eher unbekannten Evaline aus Kalifornien und rechts der dänische Songwriter Mads Langer mit Tolle und Band. Die Halle ist voll. Das Konzept der als Kostenlos-Konzerte getarnten Fernseh-Sendungen, für die man sich per E-mail bewerben kann, geht auf. Die Zuschauer werden zu Statisten. Weil's kostenlos ist, stört sich auch keiner daran, dass ein Kamera-Mann durch die Reihen marschiert, gefolgt von zwei Securities, die alles wegschieben, was sich ins Bild drängt oder in den Schwenkradius des Objektivs fällt.

Nach jeweils drei bis vier Songs erscheint dann immer Silke Super auf der Bühne. Die Radio-Moderatorin, die nun im Fernsehen ist, trägt grüne Bluse mit Cowboy-Hüten drauf, gelbe Hosenträger baumeln lässig um die Hüften. "Was gefällt euch an Berlin?", will sie wissen. "Kultur, Atmosphäre, Geschichte und Nachtleben", sagen dann die meisten Musiker. "Awesome, amazing." Und vorstellen hier zu leben können sie sich auch. Awesome.

1. Oktober 21 Uhr auf ZDFkultur