Bauhaus-Archiv

Chinesische Würmer malen auf Porzellan

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Gabriela Walde

Wer von Design spricht, denkt wohl zuallererst an leere, weiße, reduzierte Räume, die toll aussehen, als coole Showrooms allerdings weniger zum wirklichen Leben verleiten. Die Designer haben es in diesem Stadion mit ihrer Idee längst zur Produktion geschafft.

In Berlin, der umschwärmten "Welthauptstadt" der Kreativen, ist es nun mal so, dass es sehr viel mehr Ideen und Experimente gibt als fertige Produktionen. Wie konzeptuell, ironisch und unkonventionell solche Projekte sein können, zeigt jetzt eine Ausstellung mit jungen Designern im Bauhaus-Archiv.

Camille Grandaty hat einfach andere Wege des Gestaltungsprozesses eingeschlagen. Sie lässt vor Ort in China Porzellan in traditioneller Technik anfertigen. Die Musterung überlässt sie jedoch nicht dem Pinsel, sondern in Farbe getauchten Würmern und Schlangen, die ihre Spuren über den rohen Korpus von Teller und Vasen ziehen. Jeden Tag sieht das animalische Dekor verständlicherweise anders aus, deswegen ist jedes Teil als Massenware auch irgendwie ein Unikat. So absurd das auch klingen mag, die Teile von "Made by them" sehen verblüffend künstlerisch aus. Wie man hört, verkaufen sie sich gut. Auch Dirk Vander Kooij lässt sich die Produktion aus den Händen nehmen - ein ausgemusterter Roboter aus China (5000 Dollar) verarbeitet eine kolorierte Strippe, die aus dem Plastik alter Kühlschränke gewonnen wurde, zu durchaus hippen, bunten Schaukelstühlen. Sag einer, Recyceln hätte Grenzen.

Dass es dieses Design-Forum überhaupt gibt, ist DMY, dem International Design Festival, zu verdanken, das sich als Plattform für junges Design und experimentelle Projekte versteht. Jährlich gibt es im alten Tempelhofer Flughafen dieses Festival, im Juni erst kamen dort 700 Aussteller aus 30 Nationen zusammen. "Kopie" hieß das Thema der Schau, das aktueller kaum sein könnte, weil es mittlerweile viele gesellschaftliche Bereiche berührt. Wie viel Schutz braucht ein Original? Wie viel Mehrwert kann ein Plagiat haben? Wann wurde das Copyright überhaupt erfunden? Beim DMY wurden 32 000 Besucher in fünf Tagen gezählt, - keine schlechte Bilanz. Zehn Designer wurden für den DMY Award nominiert, diese zehn einschließlich der drei Gewinner sind nun im Bauhaus zu sehen.

Für das Bauhaus bedeutet diese Kooperation eine notwenige Öffnung vom Musealen hin zum Zeitgenössischen. Die Klassiker präsentieren sich im Spannungsfeld zum Experimentellen. Allen dort ist wohl klar, dass sich ein Museum nur so für eine junge Generation rüsten kann.

Etwa 1500 ernst zu nehmende Designer soll es in der Stadt geben. Gibt es einen speziellen Berlin-Trend im Design? Nein, sagt Joerg Suermann, Leiter von DMY. "Auffallend ist die Vielfalt und der Facettenreichtum. Hier gibt es unglaublich viel Design-Forschung, weniger Designer, die im herkömmlichen Sinn arbeiten. Die Leute versuchen eher ein Profil und eine eigene Sprache an der Schnittstelle zur Kunst zu entwickeln. " Kurz: In Berlin zählt die Auftragslage weniger, zumal es keine großen Brands in der Stadt gibt, die Auftraggeber befinden sich außerhalb der Stadt.

Das DMY selbst steht nicht auf festen finanziellen Füßen. Anfangs gab es noch vom Senat eine Finanzspritze, heute ist man auf Sponsoren angewiesen. Hinzu kommen die Einnahmen durch Standmieten und Eintrittsgelder.

In einigen Tagen schon geht das DMY-Team auf große "Asia Exhibition Tour". Peking, Taiwan, Tokio, Hongkong stehen auf dem Messeplan. Als Aushängeschild des Landes Berlin und zur "Erschließung neuer Märkte", wie Suermann sagt. So schlecht können Berlins Jungdesigner also nicht sein. Auf die Wurm-Idee muss aber erst mal einer kommen.

Bauhaus-Archiv , Klingelhöferstr. 14, Tiergarten. Mi-Mo, 10-17 Uhr. Bis 10. Oktober. Führung mit Bauhaus-Brunch: 25. September, 11 Uhr. Kosten: 19 Uhr.