Fotografie

Ostkreuz-Fotograf Arno Fischer verstorben

Sibylle Bergemann und Arno Fischer waren das stilprägende Fotografenpaar der DDR. Der 84-jährige Fischer starb jetzt nur zehn Monate nach dem Tod seiner Frau. Wie sie arbeitete auch er früher für die DDR-Modezeitschrift "Sibylle", später waren sie Mitbegründer der Ostkreuz-Agentur.

In ihrer Berliner Wohnung am Schiffbauerdamm, gleich am alten Brecht-Theater, traf sich zu DDR-Zeiten die Elite der Fotografie aus Ost und West.

Im letzten Jahr erhielt Fischer noch den Hannah-Höch-Preis des Landes verliehen. Die Auszeichnung war mit einer Retrospektive in der Berlinischen Galerie verbunden. Schon damals schien sie wie ein Vermächtnis, denn Fischer war bereits krank. In digital-überschwemmten Zeiten führten seine Bilder noch einmal vor, was Fotografie sein kann, wenn der Fotograf genau hinschaut. Seine schwarzweiße Serie "Situation Berlin 1953-1960", aufgenommen im noch ungeteilten Berlin, wurde schnell zum eindringlichen Psychogramm deutscher Nachkriegswirklichkeit. Bekannt machte ihn jene legendäre Aufnahme von Marlene Dietrich, 1964 in Moskau entstanden. Die unnahbare Diva im schimmernden Glitzerkleid, wie sie sich im Dunkel der Bühne verneigt. Schatten verstecken ihr Gesicht. Und doch sagte diese Aufnahme alles, was es über einen Star wie sie zu sagen gab. Eine Pose höchster Einsamkeit. Die Dietrich schrieb Fischer damals einen Brief - mit der Bitte um die Negative.

Zuletzt hing sein Herz an einer ausgesprochen filigranen, wie ein Aquarell wirkenden "Garten"-Serie, Polaroids, die er wie "ein leichtes Notizbuch" nutzte. Verhuschte Blätter, verblichene Möbel im Regen, das Haus in Gransee im Brandenburgischen, zuletzt sein Rückzugsort. Ein melancholischer Zyklus, weit über den Herbst hinaus.

Gerne gesprochen hat Arno Fischer nie, oft nur diesen einen Satz, wenn es um seine Arbeit ging: "Fotografie ist eine Möglichkeit, die Welt genau zu sehen und sich auszudrücken. Entsteht dabei Kunst, ist das ein Glücksfall."