Trend

Buchlose Zukunft: Ikea vergrößert das Billy-Regal

Wenn die alte Stamokap-These stimmt, wonach multinationale Konzerne die Welt beherrschen, dann steht das Ende des gedruckten Buchs bald bevor. Denn Ikea bringt eine neue Variante seines Regal-Klassikers Billy heraus, die 39 Zentimeter tief ist - elf Zentimeter tiefer als bisher.

Die Ankündigung hat in der englischsprachigen Qualitätspresse eine Flut apokalyptischer Interpretationen ausgelöst. Der "Economist" legte Ikeas Pläne so aus: "Die Firma rechnet damit, dass Kunden ihre Regale zunehmend für Nippes und ausgefallene Kaffeetisch-Prachtbände nutzen - also alles außer Büchern, die tatsächlich gelesen werden." Das "Time Magazine" pries die Schweden für ihre Weisheit: Menschen würden in Zeiten des E-Books keine Regale mehr kaufen, um Bücher aufzubewahren. Der Kommentator verstieg sich sogar zu der These: "Das Unternehmen hat erkannt, dass wir keine fixen Regalkästen brauchen, die 30 Zentimeter hoch und 23 Zentimeter tief sind." Zweifellos brauchen die Menschen so etwas nicht. Deshalb sind Billy-Regale ja auch seit ihrer Schöpfung durch den Designer Gillis Lundgren im Jahre 1979 28 Zentimeter tief, und man konnte die Höhe der Regalkästen immer schon verändern.

Billy verdankt seinen Erfolg mit über 40 Millionen verkauften Exemplaren dem niedrigen Preis und Anpassungen an den Zeitgeschmack, denen es unterzogen wurde: Es gibt die Regale in Farben und auch mit Glastüren. Daher wollte man sich bei Ikea Deutschland am Dienstag nicht an Spekulationen über das Ende des Buchs beteiligen. Die Zurückhaltung wird das Triumphgeheul der Digitalisierungs-Euphoriker aber genauso wenig bremsen wie die Untergangsängste kulturpessimistischer Buchfreunde.