Konzert

Gleich zwei Wiederentdeckungen in der Philharmonie

Tumultuös, wie zum bevorstehenden, Papstbesuch in Berlin, klang zu Beginn des Konzerts der Philharmoniker das Vorspiel zum 2. Akt von Pfitzners "Palestrina" und bereitete einen gewissen Schrecken.

Als versöhnliches Schlussstück seines Programms servierte Andris Nelsons die "Rosenkavalier"-Suite von Richard Strauss. Dazwischen lagen die beiden faszinierenden Stücke des Abends: die "Dorische Musik" von Heinrich Kaminski und "Marsyas", die Rhapsodie für Trompete mit Schlagzeug und Orchester von Wolfgang Rihm.

Kaminski hatte sich in den Zwanzigerjahren bekannt gemacht. In den Dreißigern begann man, leider höchst erfolgreich, ihn wieder unbekannt zu machen. Auf so etwas verstanden sich die Nazis ja. 1934 hatten die Philharmoniker unter Furtwängler noch seine "Dorische Musik" aufgeführt. Doch danach war Schluss - und dies unerklärlicherweise bis heute. Dabei brennt sich das halbstündige Stück auf leidenschaftlich konstruktive Weise ein. Es beginnt mit einer Toccata. Aber von der damaligen Neo-Klassik zeigt sich keine Spur. Kaminski arbeitet sich mit vollen Orchester-Kräften voran, stellt ihnen aber ein Streicher- Terzett solistisch zur Seite, das kammermusikalisch vor sich hinsingen und die Komposition durch diese Widersprüchlichkeit bereichern kann.

Die Wiederentdeckung ist unbestreitbar ein Grund zur Freude. Die ist nicht geringer bei Rihm, der rhapsodisch die Schauergeschichte vom musikalischen Wettkampf zwischen Marsyas und Apollo erzählt. Der Sieger bei Rihm ist fraglos Marsyas, den bravourös Gábor Tarkövi mit seinen beiden Trompeten verkörpert. Jan Schlichte gefällt sich, Rihm und dem Publikum durch die ihm abverlangte phantastische Schlagzeugraserei. Rihm ist mit seinem "Marsyas" im zweiten Anlauf ein Tonpoem von dramatischer Rasanz sondergleichen gelungen.