Fernsehen

Ernsthaft und vernünftig

Im Vorspann umkreiste die Kamera dramatisch das Gasometer in Schöneberg, in dem eine illuminierte Kuppel den Eindruck erweckt, es handle sich hier um eine Art von Zirkus. Doch Günther Jauch hat, wie man so sagt, alles richtig gemacht.

Sein fiebrig erwarteter Einstand als Sonntagsmoderator war eine würdige, ernsthafte und vernünftige Diskussion zu den Gefahren durch den Islamismus und zum Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr.

Etwas isoliert erschien die sogenannte Staubfrau vom 11. September, die zu Beginn nach ihrem Schicksal befragt wurde und dann im Publikum saß. Die Terroranschläge von New York bildeten nur den Hintergrund für eine profunde Debatte, bei der Peter Struck seinen Sentenz, dass Deutschlands Sicherheit auch am Hindukusch verteidigt werde, sehr zum Missfallen von Elke Heidenreich bekräftigte. Der Islam-Forscher Jürgen Todenhöfer ist gerade mal wieder von einem Krisenherd zurückgekommen - diesmal ermutigt aus Libyen, wo er mit den demokratieliebenden Revolutionären gebetet hat. Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer AG (in deren Verlag auch die Berliner Morgenpost erscheint), war die liberale Stimme, während Jürgen Klinsmann zu einer Verteidigung des gewöhnlichen Amerikaners ausholte.

Günther Jauch moderierte vollkommen unaufgeregt und gestattete sich nur einen kleinen Polit-Witz. Ein paar Zitate und Fakten wurden eingeblendet wie bei Frank Plasbergs "Hart aber fair", und zum bitteren Ende musste der ehemalige Verteidigungsminister Struck der Mutter eines getöteten Soldaten versichern, dass ihr Sohn nicht umsonst gestorben sei. Für Günther Jauch hatte er eine bessere Nachricht: Das habe er doch ganz gut gemacht! Jauch dankte.