Filmfestspiele

Venedig: Goldener Löwe geht an den russischen "Faust"

Der Goldene Löwe, Hauptpreis der Filmfestspiele von Venedig, geht in diesem Jahr an "Faust", Alexander Sokurovs höchst eigenwillige Interpretation von Goethes Klassiker.

Die rein russische Produktion, die gänzlich auf Deutsch gedreht wurde, mit Schauspielern wie Hanna Schygulla und Andreas Schmidt, überzeugte die Kritik durch ihre einzigartige Bilderwelt und galt als Favorit. Als bester Schauspieler wurde, wie erwartet, der gebürtige Deutsche Michael Fassbender für seine großartige Leistung als Sexsüchtiger in "Shame" ausgezeichnet; als beste Schauspielerin Deani Yip für den chinesischen Beitrag "Simple Life". Die restlichen Gewinner verwunderten indes die Fachpresse, die die Preisvergabe teils hämisch kommentierte. Der Preis der Jury geht an "Terraferma" aus Italien, der Regiepreis an Cai Shangjuns "Ren Shan Ren Hai", noch ein Chinese. Das beste Drehbuch soll ausgerechnet "Alpis" aus Griechenland bieten; alle renommierten Autoren dieses Festivals gingen dagegen leer aus.

Das ist auch ein schwerer Schlag für den amerikanischen Film, der im Wettbewerb mit gleich fünf Titeln vertreten war. Und das, obschon gleich zwei US-Regisseure in der Jury saßen, Todd Haynes und Darren Aronofsky als Präsident. Er sei auf der Suche nach Werken, die ihn "emotional und intellektuell" rührten, hatte Aronofsky - vor drei Jahren selbst Goldlöwen-Gewinner für "The Wrestler" - vorab verraten. Am Ende hat seine Jury alle großen (und starken) Star-Filme konsequent ignoriert - und düpiert. Mit der Preisvergabe endeten gestern die 68. Filmfestspiele. Das nächste Festival könnte es nun ein wenig schwerer haben, große US-Produktionen an den Lido zu locken.