Kleinkunst

Rainald Grebe macht sich Sorgen um seinen Steuersatz

Rainald Grebe ist erfolgreich. Er füllt die Waldbühne. Fernsehsender interessieren sich vorab für sein neues Stück. Es erscheinen Artikel, die Grebe vom Sockel stürzen wollen.

Und der Künstler selbst reflektiert auf der Bühne darüber, warum der Spitzensteuersatz, den er zahlen muss, so hoch ist. Auf die Überleitung zur neuen FDP, der allerdings eine hübsche Nummer in Ballonseide gewidmet ist, verzichtet er in seinem Wahlabend "Völker schaut auf dieses Stadt". Untertitel: "Berlin wählt und Rainald Grebe kann sich nicht entscheiden". Und genau das ist das Problem.

Der Regisseur Grebe kann sich nämlich auch nicht entscheiden. Er hat sehr viel recherchiert. Interviews geführt. Eine Abgeordnetenhaussitzung besucht. Reden der Spitzenkandidaten studiert. Wahlprogramme gelesen. Vollgestellt sind die diversen Schreibtische im Maxim Gorki Theater (Bühne: Janna Skroblin), wo das Stück am Mittwoch Premiere hatte. Grebe ersäuft im Material - und ermüdet mit der breiten Präsentation die Zuschauer. Für zweieinhalb Stunden reichen die Pointen nicht aus, trotz der gut aufgelegten Schauspieler Sabine Waibel, Wilhelm Eilers und Hans Krüger. "Eigentlich wollte ich einen Liederabend machen", sagt Grebe. Schade, dass er es nicht gemacht hat.

Maxim Gorki Theater , Am Festungsgraben 2. Tel. 20 221 115. Termine: 6., 9., 14. und 18.9., 19.30 Uhr.