Interview

"Meine neue Platte ist wie eine Kaffeetasse früh morgens"

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Thees Uhlmann ist 37 Jahre alt, stammt aus dem niedersächsischen Dorf Hemmoor und hat es mit seiner Indierockband Tomte in den vergangenen Jahren zu großem Erfolg und noch größerer Beliebtheit gebracht. Jetzt pausieren Tomte, und Uhlmann veröffentlicht allein ein Album, das so heißt wie er selbst. Steffen Rüth sprach mit dem Musiker.

Berliner Morgenpost: Herr Uhlmann, es bietet sich wohl an, erst einmal danach zu fragen, warum Sie jetzt eine Soloplatte machen. Konnten Sie Ihre Bandkollegen nicht mehr sehen?

Thees Uhlmann: Wenn ich mit den Tomte-Jungs, also mit Dennis und Max, zusammen Musik mache, dann benutze ich beim Songschreiben einen Tomte-Filter: Weil ich will, dass es allen gefällt. Dieses Mal wollte ich den Mut haben, nur Sachen zu machen, die mir gefallen. Mir ganz alleine.

Berliner Morgenpost: War aus der Band die Luft zuletzt auch ein bisschen raus?

Thees Uhlmann: Tomte gibt es immer noch, wann es weiter geht, wird sich zeigen, alles ist gut. Nur: Ich habe 14 Jahre lang Tomte gemacht - von den niedersten Niederungen Nordniedersachsens haben wir es bis zu großen Festivals wie "Rock am Ring" oder "Hurricane" vor vielen tausend Leuten gebracht. Alles, was ich mir mit 18 in den Kopf gesetzt hatte, habe ich erreicht, und das macht mich wahnsinnig glücklich. Und ich habe das alles selber durchgezogen und organisiert, ohne große Plattenfirma im Rücken. Im Gegenteil, wir haben sogar 2002 unser eigenes Label aufgemacht, Grand Hotel van Cleef, was eine gigantische Energieleistung war und immer noch ist. So: Dann war das alles fertig, und ich wollte durchatmen, ein bisschen anders weitermachen.

Berliner Morgenpost: Sie machen musikalisch richtig auf. "Thees Uhlmann" ist weitaus reichhaltiger, breiter gefächert und bedient sich stärker bei US-amerikanischen Rockvorbildern als die eher von Britpop geprägten Tomte.

Thees Uhlmann: Opulenz ist ein großes Thema auf dieser Platte. Und Zwischentöne. Tomte war ein einziges Losstürmen mit der Bierdose in der Hand. Ich habe fast alle Songs auf "Thees Uhlmann" am Klavier anstatt an der Gitarre geschrieben, das bringt fast unweigerlich so eine Vielschichtigkeit rein.

Berliner Morgenpost: Wenn Tomte die Bierdose ist, was ist Thees Uhlmann alleine?

Thees Uhlmann: Eine große Kaffeetasse früh morgens.

Berliner Morgenpost: Es fällt auf, dass in Ihren Texten ausgiebig der Heimat huldigen. "Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf" ist praktisch eine gesungene Autobiographie, "Lat: 53.7 Lon: 9.11667" sind die Längen- und Breitengrade deines Geburtsdorfes.

Thees Uhlmann: Ich lebe seit Jahren in Berlin, und in Tomte-Songs spielte sich immer alles in Städten ab. Ich war in all den abgedrehten Kneipen, aber ich komme aus dem Dorf. Wenn meine Tochter schläft, gehe ich zu meinem Kumpel, wir trinken ein Bier und hören Neil Young auf der Veranda. Auf dem Dorf fährst du 15 Kilometer mit dem Fahrrad, um jemanden zu treffen, und dann fährst du wieder zurück. Ich bin auf dieses Dorf-Thema gekommen, weil ich wahnsinnig gerne mit meiner Tochter bei meiner Mutter bin. Wir Stadt-Dreißiger, wir haben ein cooles Leben, wir haben einen Job, aber ganz oft kommt in Gesprächen dieses "Eigentlich will ich nach Hause"-Thema auf.

Platte "Thees Uhlmann", Grand Hotel van Cleef.

Konzert 30. Oktober, Postbahnhof, Straße der Pariser Kommune 3-10.