Literatur

In Nietzsches Villa soll ein "Salon der Gegenwart" entstehen

Im Nietzsche-Archiv in Weimar soll ein "Salon der Gegenwart" entstehen. 17 Philosophen aus dem In- und Ausland, darunter Gianni Vattimo, Peter Sloterdijk, Ágnes Heller, Julian Nida-Rümelin, Bazon Brock und Giorgio Agamben, unterstützten das Projekt und wollten Drittmittel einwerben, sagte der Leiter des Kollegs Friedrich Nietzsche, Rüdiger Schmidt-Grépály, gestern.

Der Umbau soll rund 800 000 Euro kosten.

Das Wohnhaus des umstrittenen Philosophen Friedrich Nietzsche (1844-1900) repräsentiere wie kaum ein anderes Gebäude in Weimar die Umbrüche deutscher Geschichte im 20. Jahrhundert. Friedrich Nietzsche hatte seine letzten drei Lebensjahre in geistiger Umnachtung in der Villa "Silberblick" verlebt, betreut von seiner Schwester Elisabeth Förster-Nietzsche. Sie machte das Haus Anfang des 20. Jahrhunderts zum Versammlungsort der künstlerischen und kulturellen Moderne. Später öffnete sie das Haus ihres Bruders den Nationalsozialisten. Adolf Hitler und Benito Mussolini waren dort mehrmals zu Gast. 1999 wurde das Nietzsche Kolleg, das zur Klassik Stiftung Weimar gehört, gegründet, das im Sinne des Dichters den "freien Geistern" Raum und Zeit für Studien und zur Auseinandersetzung gibt. Der "Salon der Gegenwart" soll Wissenschaftlern, Künstlern und Bürgern Raum bieten zum Austausch kritischer Fragen, sagte Schmidt-Grépály. Die von Henry van de Velde nach Nietzsches Tod gestalteten Arbeitsräume und die Bibliothek im Erdgeschoss sind heute Museum.