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Ich lese gerade ... Morten Ramsland: Sumobrüder

Harald Kirchner (41), Ludwig Wilde Buchhandlung, Körtestr. 24, Kreuzberg: Eigentlich könnte man Morten Ramslands neuen Roman "Sumobrüder" ganz lapidar mit den Worten beschreiben, dass immer alle jeden verkloppen. So sieht Darwinismus in der Reihenhaussiedlung Paradiesgarten im dänischen Odense aus. Ich-Erzähler Lars ist elf Jahre alt, verfällt immer noch in eine Fantasiesprache und weiß nicht, warum sein Vater manchmal bewegungslos auf dem Sofa liegt. Die meiste Zeit verbringt Lars mit seinen Freunden. Sie veranstalten heimlich Sumo-Ringkämpfe und graben schon mal den Garten des Nachbarn auf der Suche nach einem Wikingerweib um. Man hat die schrägen Charaktere der Jungs sofort vor Augen. Nach "Hundsköpfe" erweist sich Ramsland einmal mehr als Experte für dysfunktionale Familien. Er schafft es, den schwierigen Stoff leicht und unterhaltsam umzusetzen und bei aller Ernsthaftigkeit einen staubtrockenen Humor reinzubringen. Ein gutes böses Buch.

Morten Ramsland: Sumobrüder, Schöffling Verlag, 320 Seiten, 19,95 Euro.