Musik

Cellistin Sol Gabetta bringt Sommersonne ins Konzerthaus

Das Konzerthaus ist immer für Überraschungen gut. Diesmal versprach es zur Saisoneröffnung eine lateinamerikanische Nacht voller Tango-Ekstasen zum Mittanzen. Sogar einen Tanzlehrer hatte man dafür engagiert, unterm Dach den älteren Semestern im Publikum noch einmal auf die ihnen fremden Sprünge zu helfen.

Dagegen hatte Sol Gabetta, die bezaubernde Cellistin, die man zur musikalischen Saison-Ikone erhoben hat, anzuspielen. Sie brachte zunächst einmal mit ihrem himmelblauen Seidenkleid und der reich ausstaffierten Corsage den bislang arg vermissten Sommer nach Berlin. Dann aber spielte sie ihn zusätzlich auch noch herbei mit dem 1. Cellokonzert von Saint-Saens, das Leichthändigkeit verlangt, Geschmack, Intelligenz und gute Laune. Damit lag es bei Miss Gabetta in besten Händen. Sie erwies sich als Kennerin Frankreichs: Sie spielte gewissermaßen nicht Karl Lagerfeld, sondern Coco Chanel. Das kam Saint-Saens sehr zugute.

Auch das Konzerthausorchester spielte unter dem kundigen Dmitrij Kitajenko pointensicher und bezaubernd leichthändig mit. Man bedauerte es geradezu, als Sol Gabetta am Ende den Bogen sinken ließ und das Wunderinstrument, auf dem sie gespielt hatte, wieder aus dem vor Beifall dröhnenden Saal trug. Dennoch begann das Konzert erst jetzt richtig: mit der siebten Folge der "Bachianas Brasileiras" von Heitor Villa-Lobos, der halbstündigen Übersetzung Bachscher Formprinzipien ins Brasilianische. Den Schlusspunkt hinter das sprühende Programm setzte die "Danza final" aus Ginasteras Ballett "Estancia", dem auskomponierten Knalleffekt des Abends.