Element Of Crime

Berlinfolklore von der ewigen Milieukapelle

"Wir sind's", sagt Sven Regener zur Begrüßung. Sie sind's: Element Of Crime, die ewige Milieukapelle dieser Stadt mit ihrem 50-jährigen Sänger und Trompeter und vier weiteren Veteranen, die sich in den Hof der Spandauer Zitadelle stellen wie beim Kiezfest.

Oben musiziert die Band im Bühnennebel. Untern schunkeln ihre Gäste durch die Grilldünste. "Siehst du den alten Mann mit der E-Gitarre", singt Sven Regener im Walzertakt. Und alle sehen ihn und freuen sich, und manche tragen T-Shirts mit der Aufschrift: "Too old to die young", zu alt, um jung zu sterben. Es geht darum, dass man heutzutage früher reift und länger jung bleibt. Es geht darum, was Berlin aus einem macht und wie die Stadt sich dabei selbst verändert.

Element Of Crime greifen zurück auf 25 Jahre alte Lieder wie "I'll Warm You Up" in ihrem Englisch aus dem Schülerwörterbuch und "Don't You Smile" vom Album "Try To Be Mensch", bei dem ihnen damals John Cale von Velvet Underground geholfen hatte.

Hinter ihnen hängen Neonröhren. So sah Kreuzberg in den achtziger Jahren aus, so hörte es sich an im Mauerschatten. Regener steht da in seinem schwarzen Hemd, die E-Gitarre vor dem Bauch, und singt als Bremer in Berlin nach 30 Jahren immer noch verärgert, dass es "irreführend und gefährlich ist, wenn etwas U-Bahn heißt, das über unsren Köpfen rattert - schließlich steht das U für Untergrund." Und: "Wo dein Auto grad noch stand, fegen alte Männer jetzt die Straße." "Delmenhorst" vom Album "Mittelpunkt der Welt" ist so ein Lied über die heutige Berliner Mitte, die behaglicher geworden ist und netter, weil die Zugezogenen und Zureisenden ihre innere Provinz dem Stadtklima zugute kommen lassen. Eine Band wie Element Of Crime mit ihrer ländlichen Musik, mit ihrem Deutschcountry, vermittelt mehr Berlinfolklore als die Rockmusik von Eingeborenen wie den Ärzten oder Rammstein.

Auf der Zitadelle tragen junge Männer blasse, windschiefe Tattoos dazu und späte Mädchen farbenfrohe Wetterjacken. Es geht alle etwas an, wenn Regener im goldenen Abendlicht, in hanseatischer Zurückhaltung über die Leute singt, die schimpfend an der Ecke stehen und über die wuchernden Neurosen. Über Punkrentner und Übermütter.

Fürsorglich weist er seine Besucher auf die Bauarbeiten bei der S-Bahn hin, empfiehlt Alternativverbindungen im Nahverkehr und holt schließlich Leander Haußmann zu sich in die Band. Der Regisseur hat Regeners Romandebüt verfilmt, der Sänger hat den Regisseur mit Filmmusik versorgt. Jetzt spielen sie gemeinsam "It's All Over Now, Baby Blue" von Bob Dylan. Engagiert bläst Leander Haußmann Mundharmonika und krümmt sich auf der Bühne als Berliner Original. So kommt dann alles zusammen in der Stadt. "Ihr Lieben", sagt Sven Regener zum Abschied.