Roman

Ein Migrant in Irland, als es der Wirtschaft noch gut ging

Als der irische Schriftsteller Hugo Hamilton ein Kind war, wurde draußen Englisch gesprochen. Draußen, das war das Dublin der Fünfziger- und Sechzigerjahre. Drinnen hingegen sprach man Gälisch - und Deutsch.

Drinnen, das war der Raum der Familie, das persönliche Exil Hugos. In seinem Roman "The speckled people", in Deutschland unter dem Titel "Gescheckte Menschen" erschienen, hat Hugo Hamilton Zeugnis abgelegt von diesem kuriosen Kindheitsexil: Sein Vater war ein strammer Republikaner, dem die Nationalsprache des Irischen heilig war. Seine Mutter kam aus Deutschland.

In seinem neuen Roman "Der Irische Freund" spinnt er den Faden weiter. Es ist die (vergangene) Zeit des großen Wirtschaftsbooms, viele junge Menschen aus Osteuropa kommen nach Irland. Einer von ihnen ist Vid Cosic. Hamiltons Held ist vor dem Bürgerkrieg in Serbien geflohen und verrichtet nun die typischen Einwandererjobs. Er spricht schon recht gut Englisch, weiß aber, dass Integration mehr bedeutet. Integration ist ein spannendes Thema, und es wird vor dem Hintergrund der Sprache gelungen eingeführt. Doch Hugo Hamilton will mehr. Er will auch die eigene Kultur beschreiben, und zwar mit den Augen des Fremden gesehen. Folgerichtig muss Vid Cosic Beobachter sein, Fokus und Projektionsfläche zugleich. Ein wenig benommen klappt man am Ende das Buch zu und fragt sich, wie viele Geschichten Hugo Hamilton im Roman eigentlich erzählen wollte. Das ganze Irland zwischen zwei Buchdeckeln? Das hat noch nicht einmal James Joyce geschafft.

Der irische Freund Hugo Hamilton. Aus dem Englischen von Henning Ahrens. Luchterhand, München. 288 S., 19,90 Euro.