Young Euro Classic

Korea war die Entdeckung des Jugendfestivals

Das konnte wahrhaft kaum ein Besucher des "young.euro.classic"-Festivals im Konzerthaus ahnen: das gastierende, rätselhafte, KOSYM Jugendorchester aus Korea hat seinen Sitz nicht etwa in Seoul, sondern in Dortmund. Also sozusagen gleich um die Ecke.

Es rekrutiert sich aus jungen Koreanern, die hierzulande Musik studieren. Sie haben sich vor vier Jahren aus freien Stücken zu gemeinsamem Musizieren zusammengeschlossen. Bravo! Vor knapp drei Monaten haben sie sogar - alle Achtung! - in Bonn Beethovens 9. Sinfonie aufgeführt. In Berlin stützten sie sich natürlich pflichtgemäß auf koreanische Musik, wenn sie ihr Konzert auch mit Schostakowitschs Filmmusik "Die Hornisse" beschlossen. Zuvor aber ließen sie nichts als Koreanisches hören, gleich zu Anfang das Finale aus der Ballettmusik "Prinzessin Bari" von Geon-Yong Lee aus dem Jahr 1998.

Nun sind ja Schlussmusiken ausgerechnet am Konzertbeginn immer eine Sache für sich. Sie heimsen sozusagen den Lorbeer des immergrünen Schlussbeifalls ein, bevor sie ihn vor aller Ohren richtig verdient haben. Immerhin aber stellten die Gäste auf Anhieb unter Beweis, dass sie ein tüchtiges Orchester bilden und in Jong-Hoon Bae den idealen Dirigenten gefunden haben.

Ein umstrittener Komponist

Eine gute Voraussetzung für die weit kniffligere Aufgabe, das Violinkonzert mit Kammerorchester von Isang Yun aufzuführen, die letzte, knapp halbstündige Komposition des Meisters, der in Berlin lebte und arbeitete . Es ist 1992 entstanden. Drei Jahre später ist Yun achtundsiebzigjährig gestorben. Größeres Aufsehen als mit seiner Musik hat Yun zeitweilig mit seiner heimlichen Ausreise in die Heimat erregt, seiner Gefängnishaft und der internationalen Bettelei um seine Befreiung. Doch hinter dieser tragischen Polit-Kulisse klingt ein musikalisches Oeuvre auf, das mit absoluter Eigenständigkeit und Finesse nicht knausert. Bei Yun sitzt jede Note auf der einzig und allein ihm richtig erscheinenden Stelle. Er schlägt alle musikformalistischen Überlieferungen in den Wind.

Mi-Kyung Lee spielte bewunderungswürdig die Violine, in ihren Händen ein Instrument höchster Feingeistigkeit. Die wird aber auch der Interpretin durchgehend abverlangt. Abgesehen von den weit ausschwingenden Kadenzen scheint sie bei all ihren technischen Fertigkeiten ein Mitglied des Kammerorchesters zu sein, so tief duckt sie sich selbst als Solistin vorschriftsmäßig ins allgemeine Geigengebet.

Aber auch die exzellente Julia Mihyun Kho, in Staunen erregendem koreanischem Kostüm unter prächtigem Kopfputz, verstand mit feinem, zuhöchst sauberem Sopran mit zwei entzückend traditionellen Liedern dir Zuhörer zu entzücken. Korea wurde zur bislang beherrschenden Entdeckung des Festivals.

Konzerthaus Young Euro Classic: European Union Youth Orchestra unter Vladimir Ashkenazy, heute um 20 Uhr Tel. 01805-969 00 00