Essay

Mehr Afrika, denn ein Roman ist nicht genug

Dieses Buch trägt den wenig amüsanten Titel "Apokalypse Afrika oder Schiffbruch mit Zuschauern", und sein Autor ist der weltreisende Krisenchronist und Romancier Hans Christoph Buch.

Er beschreibt die afrikanische (Un-)Wirklichkeit, in welcher neben minderjährigen Killern und frustrierten Aufbauhelfern auch ein nuschelnder Wolfgang Niedecken und ein zunehmend überforderter Horst Köhler samt Gattin auftauchen, mitnichten im Stil jenes new journalism , dessen Epigonen alles mit dem unangemessenen Firnis forcierter Ironie überziehen. Buch ist nämlich nicht nur ein intimer Kenner der jüngst vergangenen Bürgerkriege in Liberia, Sierra Leone, Kongo und Ruanda, sondern er beherrscht auch sein literarisches Handwerk. Doch nicht allein seine geschmeidige, sinnliche Sprache hält diesen Romanessay zusammen und verhindert, dass er zur Zettelkasten-Trickkiste eines redseligen Reiseonkels gerät. Eher geht es um die Auffächerung unseres eindimensionalen Afrikabildes. Buchs riskanter, doch gelungener Spagat besteht darin, Faktentreue mit Fabulierlust zu versöhnen.

Angesichts dieses Tohuwabohus verpuffen wohlfeile Slogans von "good governance" ebenso wie jene herablassende Rede vom "schwarzen Kontinent", der alle dortigen Länder einerlei sind. Gerade hier aber besteht Buch auf Genauigkeit: 1995 Zeuge eines Tutsi-Massakers an Hutu-Flüchtlingen, erinnert er an die im Kongo begangenen Massenmorde der ruandischen Regierung unter dem vom Westen gehätschelten Paul Kagame. Es ist ein literarisch geschliffener Zerrspiegel.

Apokalypse Afrika oder Schiffbruch mit Zuschauern Hans Christoph Buch. Eichborn, Frankfurt/M. 272 Seiten, 29 Euro.