Youth Orchestra aus Amerika

Sentimentale Klänge im Konzerthaus

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So geht es nun einmal gerade bei Festivals: die Konzerte liegen miteinander unfreiwillig im Clinch. Immer gibt es stärkere und schwächere Programme. Bald sind es die Novitäten, die schrecken; bald wieder die Klassiker, die langweilen. Konzertbesuche sind und bleiben eben Glücksache. Sie gleichen einer Lotterie, in der man zwar immer gewinnt.

Nur die Höhe des Gewinns lässt sich nicht voraussagen. Beim Gastspiel des "YOA Orchestra of the Americas" im Konzerthaus, ihm Rahmen des bald ausklingenden "young.euro.classic"-Festivals, hatten die Gäste bei allen Qualitäten ihrer beiden Dirigenten und der jungen Musiker einen vergleichsweise schweren Stand. Sie mussten sich als reines Streichorchester präsentieren. Dazu als Kammerorchester. Das machte allein schon die Programmwahl kompliziert. Denn die sollte nach Möglichkeit Heimatklänge präsentieren: Werke südamerikanischer Herkunft. Und die mussten natürlich exportierbar sein und zwar nicht ausschließlich durch Einschmeichelei.

Das Zeitgemäße ist spannender

Die beiden Hauptwerke des Abends waren jedoch Bachs Klavierkonzert A-Dur BWV 1055, gespielt von dem fabelhaften jungen Japaner Kotaro Fukuma, der sich am Ende dann noch mit einer Franz-Liszt-Zugabe selbst übertraf. Und am Schluss stand Tschaikowskys einschmeichelnde Serenade für Streicher. Alles schön und gut. Am neugierigsten aber hatten im Vorab die drei kleinen Stücke neuerer Bauart gemacht, die immerhin einen zeitgemäßen lateinamerikanischen Duktus versprachen. Den Sieg dabei trug Osvaldo Golijovs zweisätzige, zehnminütige "Last Round" davon: ein tangodurchfluteter Abgesang auf Leben und Leistung von Astor Piazzolla, eine klingende Hommage an die Originalität, das Draufgängertum, die Inventionskraft des 1992 verstorbenen einzigartigen Tangomeisters, der ja auch einige Male mit seinem Orchester in Berlin zu Gast war.

Der erste Teil des Stückes donnerte Tango-Themen ziemlich reißerisch und beunruhigend in den Saal. Danach erst wurde das Stück nachdenklich und beunruhigend. Es trauerumflorte die Tangoklänge. Es wandelte sich zu einem Nachruf im Tangotakt: einer Hommage an den großen Mann. Piazzollas Name wurde gewissermaßen zum Angedenken mit anrührenden und gleichzeitig intelligenten Noten umkränzt. Das allein schon war den Besuch des Konzerts wert.

Denn das erste der beiden anderen Stücke aus der lateinamerikanischen Erinnerungskiste, beginnend mit Percy Graingers "Irisch Tune" von 1936, erwies sich als eine sentimentalisch aufgeheizte Nichtigkeit, die klammheimlich mit dem (soweit vorhandenen) Ohrenschmalz des Publikums zu wetteifern schien. Die noch ältere "Fuga Criolla" von Juan Bautista Plaza aus dem Jahr 1931 verlustierte sich auf ihre fleißige Weise an der guten alten Fugentechnik, die sie auf kreolische Themen übertrug. Auch dies zündete nicht im Saal. Es blieb bei einer freundlich applaudierten Zeitverschwendung. Das kann ja mal vorkommen.

Konzerthaus Young Euro Classic: Orquesta Sinfonica Juvenil Batuta Bogota (Kolumbien), heute um 20 Uhr, Tel. 01805-969 00 00