"Überlebenskunst"

Hönigbienen, Salat und Recycling

"Überlebenskunst" steht ganz groß an der Fassade des Hauses der Kulturen der Welt. Aus dem winzigen Holzhaus auf dem Rasen davor gucken vier Beine samt Füßen heraus, so als strampelten darin die zwei Künstler geradewegs auch um ihr Leben.

Auf dem Dach des HKW kreischt böse eine Säge, dort entstehen gerade drei Giebelhäuser als illustres Night-Camp, und auch das Innere der Auster hat sich in einen verschachtelten "BauimBau" verwandelt, der viele Räume für alles bietet. Auf den ersten Blick könnte man den Eindruck gewinnen, dass das Überleben im HKW irgendwie mit ganz, ganz viel (Span)Holz zu tun hat.

Ganz so ist es dann nicht. Eine Kunst ist es allerdings wirklich, sich in dem kompakten Programm des Festivals gleichen Titels, das heute beginnt, zurechtzufinden. Vier Tage und Nächte werden hier Hunderte Workshops, Performances, Filme und Initiativen, wie es so schön heißt, versammelt. Immerhin 3,5 Millionen Euro hat sich die kooperierende Kulturstiftung des Bundes das Event kosten lassen, 800 000 Euro fließen allein ins Bildungsprogramm. Herausgekommen ist, so Friedericke Tappe-Hornbostel von der Stiftung, ein "Hybrid", der sich thematisch ausbreitet wie eine Krake. Zentrales Thema: der Klimawandel mit all seinen gesamtgesellschaftlichen Veränderungen, vom Anstieg des Meeresspiegels übers Fliegen bis zu den neuen regionalen Nahrungsangeboten. Das Wort Nachhaltigkeit wollen wir hier gleich mal streichen.

Das klingt nach kerniger Theorie und viel Diskurs, im HKW gibt man sich allerdings spielerisch, das Experimentelle ist alles. "Doch nach Ökomesse und Kleingartenschau soll es nicht aussehen", sagt Tappe-Hornbostel wie zur Entschuldigung.

Der Ansatz ist gar nicht schlecht, kann aber gewaltig nach hinten losgehen, wenn all die wabernden Fragestellungen im Komposthaufen der Beliebigkeit und in Holzhäusern landen.

Derweil sprießt im Teich vor dem Haus Salat, immerhin 6000 Köpfen, die aussehen wie eine grüne Skulptur. 4500 dürfen verspeist werden. Aus 32 000 Plastikbechern hat Martin Kaltwasser eine rüstige Dachkonstruktion gebastelt nach dem Motto: Recycling ist die Zukunft, ach ja. Adrian Lohmüller lädt dazu ein, mit Berliner Regenwasser zu duschen. Klingt romantisch. Und auf der Dachterrasse wird es Bienenstöcke geben, "Berlin summt" heißt die Aktion, die die Hönigbiene für uns Städter wieder attraktiv machen möchte. Mal sehen, wo sie landen.

Haus der Kulturen der Welt , John-Foster-Dulles-Allee 10. G 39787175. 17.-21. August. Das Festival ist durchgehend 101 Stunden geöffnet. Bars u. Nightshop bis 4 Uhr. Programm: ueber-lebenskunst.org .