Ratgeber

Für jede Lebenslage: Fünf Musiknummern von Anna Netrebko

Zum Abwaschen Es ist das populärste Sauflied der Operngeschichte, das "Brindisi" aus Verdis "La Traviata". In der Titelrolle der Violetta Valery wurde La Netrebko 2005 bei den Salzburger Festspielen gefeiert. Sie wurde zur berühmten Frau in Rot, nicht zuletzt, weil die Inszenierung im Fernsehen übertragen wurde. Nun gehören Trinklieder zur italienischen Opern-Lebensart, sie finden sich in Mascagnis "Cavalleria rusticana", in Donizettis "Lucrezia Borgia", in Verdis "Otello". Aber bei Galas und sonstigen Netrebko-affinen Veranstaltungen wird das Sektglas am liebsten zur "La Traviata" gehoben. Sie hat bereits mit Rolando Villazon, mit Andrea Bocelli und mit Marcelo Alvarez angestoßen. Aber wie ist es mit den schönsten Augenblicken des Lebens so ist, irgendwann landet das leere Sektglas im Abwasch.

Zum Schwärmen Als Donna Anna in Mozarts "Don Giovanni" feierte die russische Sopranistin 2002 in Salzburg ihren Internationalen Durchbruch. Die schöne Anna wird vom berüchtigten Don Giovanni bedrängt, der ihren dazwischen gehenden Vater tötet. In der Arie "Non mi dir, bell' idol mio" (zweiter Akt) beschwört die liebend-verzweifelte Frau ihren Verlobten, sie nicht mit der Ehe zu bedrängen. Das versteht jeder. Es ist eine jener Arien, bei denen das Publikum zum Frauenflüsterer wird und die Sängerin umarmen will.

Zum Joggen Diese Art des möglichst schweißfreien Dauerlaufs hat sich in den Sechzigerjahren von Amerika aus verbreitet. Dazu passend kam in den USA Leonard Bernsteins Musicalfilm "West Side Story" in die Kinos, seine Musik wurde ein Dauerrenner. Anna Netrebko hat gemeinsam mit dem mexikanischen Tenor Rolando Villazon das Duett "Tonight" gesungen. Darin folgt der Rolando alias Tony seiner Anna alias Maria auf den Balkon, wo sie sich ihre Liebe gestehen. Es ist eine Musiknummer voller Energie: Heute muss es klappen, mit der Liebe wie mit dem Joggen. Allerdings verabreden sich Tony und Maria im Musical erst für den nächsten Tag. Alles hat seine Dauer.

Zum Bügeln Wo bleibt eigentlich ihre russische Seele? Das heute Verlieben, morgen Leiden, übermorgen Erschießen und tags darauf neu Verlieben. Gemeinsam mit ihrem Förderer, dem Pianisten Daniel Barenboim, hat sie sich urrussische Lieder vorgenommen, die verzweifelter, melancholischer und lebenshungriger nicht sein können. In Tschaikowskis Serenade op. 63/5 findet sie die richtige Temperatur selbst beim kleinen Lied.

Zur Vorfreude Es muss nicht immer Oper sein: "Dein ist mein ganzes Herz" schmetterte sie etwa 2006, bei ihrem letzten großen Waldbühnen-Konzert, ihren Zuhörern entgegen. Lehars Operettenschnulze versetzt gerade das Berliner Publikum in lokalpatriotische Hochstimmung. Mit der Netrebko im Land des Lächelns. Natürlich hat sie immer ein bis zwei Tenöre oder Baritöne dabei. So sind die Diven.