Oper

Wenn junge Sänger in einem Käfig auftreten

Erste Versuche, das weiß jeder, sind meist nicht auf Anhieb von Erfolg gekrönt. Daran wurde nun auch das unternehmungslustige, furchtlose "young.euro.classic"-Festival im Konzerthaus erinnert. Es wagte sich erstmals an eine konzertante Opernaufführung.

Das gastierende Niederländische "Orchester des 19.Jahrhunderts" führte Rossinis lustige, einaktige Opernfarce "Il Signor Bruschino" auf, eines von fünf Auftragswerken, die der hochbegabte 21-Jährige in einer einzigen Saison schrieb. Der junge Mann war offenbar kaum zu bremsen und komponierte sich mit Mut, Fleiß und Wachsamkeit an den späteren, weit größeren Rossini heran.

Leider aber hatten die Veranstalter vergessen, dass das Konzerthaus ursprünglich ein Theater war, das erst nachträglich für musikalische Darbietungen umgemodelt wurde. Seine Akustik schlägt konzertanten Aufführungen gern ein Schnippchen. Davon konnten das Konzerthausorchester und seine Gäste bislang schon ein immer wieder leicht vermasseltes Lied singen. So auch diesmal.

Man stellte Rossinis Sommernachtsspaß auf die vollkommen nackte Bühne, in deren Hintergrund das Orchester unter Richards Egarr vor sich hinmurmelte, als habe es mit der ganzen "Bruschino"-Sache von Herzen wenig zu tun. Mitten auf dem nackten Podium, den Blick (und den Klang) auf das Orchester gründlich verstellend, ein überdimensionaler, zeitweilig verhängter Käfig mit Klettergerüst. In ihm und vor ihm spielte sich das ziemlich undurchschaubare Geschehen ab, zu dem sich jedermann und jedefrau in Hass oder Liebe, zu Arien, Duetten, Ensembles zusammenfanden.

Freilich waren diese Partien sehr anspruchsvoll und überstiegen immer erneut das Singvermögen des wackeren jungen Ensembles. Tim Kuypers als Bruschinos Vater machte mit seinem markanten Bass mit Abstand die beste Figur. Alexandra Schoeny hatte die höchst anspruchsvolle, geradezu halsbrecherische Sopranpartie übernommen und trug sie, so weit es ging, liebenswürdig vor. Rick Zwart setzte als erpresserischer Gastwirt wuchtige Bass-Akzente. Den entzückendsten Beitrag aber leistete das Publikum: es jubelte sich buchstäblich heiser.

Konzerthaus Young Euro Classic: Bundesjugendorchester, heute um 20 Uhr Tel. 01805-969 00 00