Krise

"Die Existenz vieler Musiker steht auf dem Spiel"

"Das Neueste darüber, wie ihr den in Schwierigkeit geratenen Independent-Plattenlabels helfen könnt, findet ihr hier", schreibt ein britischer Musikfan auf Twitter. Gleichzeitig bittet die britische Association of Independent Music, die 800 Künstler aus der unabhängigen Musikszene vertritt, um Hilfe.

"Fans können Ihre Solidarität mit den Musikern zeigen, indem sie im Internet digitale MP3-Versionen der Alben herunterladen oder ihre lokalen Plattenläden aufsuchen, sofern diese noch CDs vorrätig haben". Die Non-Profit-Organisation repräsentiert sowohl etablierte, weltweit bekannte Independent-Bands, aber eben auch junge Start-Ups, die sich allein durch den Verkauf ihrer Musik über Wasser halten.

Letztere trafen die jüngsten Unruhen in Großbritannien besonders hart. Längst haben sie auch die beschauliche Peripherie der Hauptstadt erreicht. So waren es wohl eine Reihe von Jugendlichen, die im Örtchen Enfield diese Woche ein ganzes Lagerhaus in Brand setzten, in dem die internationale PIAS Entertainment Group die Tonträger und DVDs von fast 200 Independent-Labels lagern ließ, aber auch Singles und Alben von etablierten Musikern wie den Arctic Monkeys oder Charlie Simpson, wie der britische "Guardian" schreibt. Die Folge: Anderthalb Millionen zerstörte CDs - das Lebenselixier vieler kleiner Labels: ein Haufen Asche. Eigentümer des dreistöckigen Gebäudes ist die Firma Sony DADC, die optische Speichermedien herstellt. Im konkreten Fall soll es sich um Brandstiftung in Kombination mit einer Plünderung handeln. Womöglich hatten junge Männer es auf eine Reihe von Sony-Wii-Spielkonsolen abgesehen, die in besagten Räumen ebenfalls gelagert waren.

Hilfe mit Live-Veranstaltungen

Kenny Gates, Gründer von PIAS, das sich der Förderung von Independent-Musik verschrieben hat, ist untröstlich über den Vorfall, der für viele kleine Künstler nun unter Umständen den Ruin bedeuten könnte: "Wir sind uns darüber im Klaren, dass die Existenz vieler talentierter, leidenschaftlicher und hart arbeitender Musiker, Künstler, kleiner und größerer Labels auf dem Spiel steht und von unserem Engagement und dem von Sony DADC abhängt", sagt er.

Matt Jarrett vom Onlineshop "Diverse Vinyl" sieht massive Probleme auf die kleinen Labels zukommen. Besonders das Ringen mit den Versicherungen um finanzielle Ansprüche werde für viele eine große Herausforderung sein. Auch damit, dass zahlreiche Neuerscheinungen nun auf die lange Bank geschoben werden müssen, werden viele nicht fertig werden - ganz zu schweigen von finanziellen Engpässen, die die Musiker bedrohen. Viele Betroffene bauen jetzt auf schnelle finanzielle Hilfe. Eine Kampagne mit dem bezeichnenden Namen "Label Love" ist mittlerweile dabei, Spenden zu sammeln - selbstverständlich ist man auch auf Facebook präsent. Passionierte Indie-Musik-Fans rufen eine Reihe von Live-Veranstaltungen ins Leben, um Geld für die in Not geratenen Künstler zu sammeln. "Der Vorfall hat bei besorgten Fans weltweit einen Nerv getroffen", sagt Organisator Dan Slater. Auch vom anderen Ende der Welt kommt Hilfe: Aus Japan kam die Anfrage, ob man den Namen "Label Love" benützen dürfe, um auf die Hilfsaktion aufmerksam zu machen.