Young Euro Classic

Richard Strauss klingt wie Ferienmusik

Wenn anfangs vielleicht auch nicht alle Besucher des "young.euro.classic"-Festivals überhaupt wussten, wo Auckland, die Heimat des im Konzerthaus gastierenden Jugendorchesters, überhaupt liegt, Dietrich Mattausch machte als Pate des Abends auf die heiterste Weise nach diesem geheimnisvollen Neuseeland mit seinen exzellenten jungen Musikern süchtig.

Unter ihrem kroatischen Dirigenten Antun Poljanich spielten sie unterhaltend und glanzvoll auf.

Den Anfang machte Mendelssohn Bartholdys wundervolles Tonpoem "Die Hebriden", mit aller denkbaren Finesse (und zwei wundersamen Oboisten) musikalisch feinfühlig nachgedichtet. Da wusste man schon, dass es sich bei den jungen Gästen um ein Luxus-Ensemble handelt, dass es glänzend verstehen würde, in die musikalische Zukunft hineinzumusizieren. Leider aber blieb die Zukunft an diesem Abend Mangelware: Die zehnminütige Uraufführung von "between", einem Stückchen von Alex Taylor, blieb tatsächlich irgendwo "between" zwischen Alt und Neu stecken. Unglücklicherweise blieb es das auch bei den Werken von Richard Strauss und Francis Poulenc, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen.

Mit den Entwürfen ins Exil

Strauss trug die Entwürfe seines Oboenkonzerts mit kleinem Orchester im Handgepäck im Oktober 1945 ins Schweizer Exil. Er war damals schon über die Achtzig hinaus. Etwas von der Traurigkeit der Situation und der Melancholie des Alters brach denn auch ein in den vorsätzlich leicht beschwingten Duktus des halbstündigen Werks, das erinnerungsselig durchweg Musik von gestern aufklingen lässt, als sei die geliebte Welt von damals heil und unverstört noch in Ordnung.

Das Oboenkonzert von Strauss klingt ein wenig nach Ferienmusik. Aber schöne Ferien waren es immerhin, und sie waren dem alten Herrn von Herzen zu gönnen. Das Bezaubernde der Aufführung: das Alterswerk hatte sich in dem großartigen Thomas Hutchinson einen blutjungen Interpreten mitgebracht, einen Mann der Leichtfingrigkeit und des kolossalen Atems, der das Konzert geradezu in seine Oboe hineindichtete. Er holte die nicht zu knappen Finessen des Werkes deutlich heraus und feierte mit ihnen nachdrücklich den alten Meister - und wie im nebenbei sich selbst als den jungen, was ja schließlich auch nicht verboten ist.

Auch von Poulenc setzte es ein Nachkriegs-Werk: die "Sinfonietta", das einzige sinfonische Werk des Meisters, eine Art Haydn durch die französische Brille gesehen und mit modernem Schliff. Eine halbe Stunde hindurch zeigt Poulenc seine altbekannte Meisterschaft, ohne allerdings auf die ihm neu zugewachsene zu verweisen, die sich in der Oper von den "Karmelitinnen" so ergreifend aussingt.

Strauss und Poulenc gemeinsam auf dem musikalischen Altenteil. Vielleicht hätten es die exquisiten Auckländer zur Aufmunterung auch mit einem frischen Musikschrei in die Gegenwart hinein versuchen können.

Konzerthaus Young Euro Classic: Polska Orkiestra Sinfonia luventus, heute um 20 Uhr Tel. 01805-969 00 00